So sieht das aus, was im „Treibland“-Klappentext „ein schwimmender Sarg“ heißt

Pestschiff

Zu dieser Abbildung muss man zwei Dinge wissen: Ich kann nicht malen, und ich wollte nicht schreiben. Das heißt, ich hatte das Manuskript zu „Treibland“ zu etwa einem Drittel fertig, und ich kam nicht weiter. Die Frage, warum man nicht weiter kommt, ist schwer zu beantwort. – Diesen Satz habe ich salbungsvoll und aus lauter Bequemlicheit dahingeschrieben, dabei ist er weder schön noch wahr: Wenn ich beim Schreiben nicht weiterkomme, dann immer deshalb, weil ich zu faul bin. Und zu faul sein heißt in dem Zusammenhang ganz einfach: Ich habe nicht die Energie, die ich aufbringen müsste, um die Probleme, die ich sehe oder erahne, lösen zu können.

Nach einem Drittel „Treibland“ wusste ich nicht mehr weiter, und es lag daran, dass mir die Stimmung entglitten war, die das Buch haben sollte. Die Kinder wollen immer malen, und damals, vor gut einem Jahr, hatten sie so eine Acrylfarben-Phase. Dafür, um so eine Phase zu haben und sie voll auszuleben, gab es alles bei Aldi auf der Sonderverkaufsfläche: Farben, Pinsel, Leinwände, eine Anleitungs-DVD (die ich nicht angeschaut habe, wie man sieht). Während die Kinder also ihre Sachen malten, beschloss ich, währenddessen die Stimmung von „Treibland“ zu malen. Um mich daran zu erinnern, wie sie eigentlich zu sein hatte. Und es passierte ein Wunder, oder zumindest etwas, worüber ich mich wunderte, und im übrigen auch die Kinder: das Bild begann, etwas Unheimliches, Dräuendes, Feindseliges auszustrahlen. „Schrecklich“, sagte das ältere Kind anerkennend.

Also stellte ich das Bild am nächsten Tag neben mich im Büro und schrieb den Rest von „Treibland“ im Schatten seiner schlechten Vibes. Manchmal funktioniert sowas: sich mit dem, was von den eigenen Kräften geblieben ist, aus der Trägheit der Problemvermeidung zu ziehen. Mit Mitteln, die einem spontan einfallen. Es gibt aber weitaus mehr Artefakte von den Nachmittagen, wo es nicht so gut funktioniert hat: leere Flaschen oder die vage Erinnerung an durch und durch sinnlose Spaziergänge.

Vor über zehn Jahren habe ich schon einmal ein Bild mit Acryl-Farben gemalt, es zeigt eine Vulkanlandschaft in der Auvergne, bzw. das, was ich davon in Rot-, Gelb- und Orangetönen vage Richtung Leinwand gebracht habe. Mein Vater malt sehr gut und sehr viel, daher fragte ich ihn damals um Rat: „Vater, sieh dieses Bild von der Vulkanlandschaft, das ich gemalt habe. Was könnte ich wohl tun, um es noch zu verbessern?“ Mein Vater nahm mir das Bild aus der Hand und betrachtete es mit einem weisen, reflektierenden Gesichtsausdruck, über den sich kein Casting-Direktor einer „Werther’s Echte“-Reklame beschwert hätte. Dann sagte er: „Übermalen.“

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