Geh nach Hause (und ruh dich aus)

2014-03-19-09-26-15

Als Koske nach drei Monaten zum ersten Mal wieder zur Arbeit fuhr, fragte er sich, wie die Kollegen ihn begrüßen würden. Wer würde so tun, als wäre nichts gewesen? Wer würde ihn ausfragen? Wer würde ihn meiden und wer sich freuen?
Wer würde ihn trösten?
Auf den Firmenparkplatz fiel ihm eine Mail ein, die er vor Wochen bekommen, angelesen und wieder weggeklickt hatte. Das Gelände war vergrößert worden, die Stellplätze neu verteilt, er konnte sich nicht genau erinnern. Er merkte, dass er anfing, schneller zu atmen.
Es ist nicht so schlimm, sagte er sich. Du kannst nichts dafür. Es wird nichts passieren, wenn du deinen Wagen jetzt einfach irgendwo hinstellst. Und wenn doch, dann kannst du darauf reagieren. Es ist nicht so schlimm.
Nachdem er eine Weile im Schritttempo durch die Reihen gefahren war, fand er fünf freie Stellplätze nebeneinander. Er parkte auf dem Mittleren, stellte den Motor ab und wandte sich Richtung Beifahrersitz, bis ihm einfiel, dass er seine Tasche vor drei Monaten im Büro zurückgelassen hatte. Warum hatte nie jemand angeboten, sie ihm zu bringen oder zu schicken? Koske stieg aus.

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„Odette, für dich!“, oder: Wie ich mir vor einigen Jahren die Zukunft des Fernsehens vorstellte (1)

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Von allen Konzepten für Fernsehserien, die ich mir in diesem Jahrhundert ausgedacht habe, ist dies eines der mit Abstand am wenigsten realisierten. Also, realisiert sind alle nicht, aber bei den meisten anderen gab es wenigstens Co-AutorInnen, Gespräche mit Produzenten oder Redakteurinnen, und einmal floss sogar ein wenig Geld (Größenordnung halbes Sofa). Bei dieser Geschichte hier kann von all dem keine Rede sein, aber ich hatte 2010 ein paar schöne Abende damit. Wenn ich mir heute die ironische B-Promi-Dichte (Gülcan Kamps?!) und den Konzeptprosa-Schmus ansehe, verstehe ich auch, warum ich damals irgendeinen Wettbewerb damit verloren habe.

Man merkt jedenfalls meine unverhohlene Begeisterung für die amerikanische Detektivserie „The Rockford Files“ mit James Garner („Detektiv Rockford: Anruf genügt!“), die in Deutschland Ende der Siebziger lief, wenn meine Eltern abends weg waren. (Das Foto zeigt zwei Teile eines Rockford-Tryptichons, das ich vom Fernseher abfotografiert, vom Drogeriemarkt auf Leinwand habe ziehen lassen und dann in mein Büro gehängt habe. Links Gretchen Corbett als Jim Rockfords Anwältin Beth Davenport; rechts Rockfords Pontiac Firebird, vor dem Haus seines Vaters Rocky.)

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Liebes Buch, das wäre dein Trailer gewesen!

Mein Freund Wido Groell (www.joint-motion.de) hat dieses Layout zu einem möglichen Buchtrailer für meinen Krimalroman „Treibland“ gemacht. Den Trailer haben wir uns zusammen ausgedacht, das heißt, die Einfälle und die Skills hatte alle Wido, ich hab nur das Rohmaterial geliefert. Also, wir haben uns amüsiert. Der Rowohlt-Verlag hat unseren Vorschlag allerdings nicht realisieren lassen, mit der Begründung: passt von der Stimmung her nicht zum Buch, zu lustig, da erwartet man was anderes, als man mit „Treibland“ kriegt. Im Prinzip finde ich lustig ja meistens besser, am Ende hat der Verlag aber natürlich recht, denn: Es gibtin „Treibland“ schon auch was zu lachen, aber insgesamt sollen halt doch Spannung und Bedrohung im Vordergrund stehen.

Dies hier ist also kein offizieller Trailer und auch nicht einmal eine Version davon, sondern einfach nur ein abgelehnter Entwurf.

Ich mag dieses Layout trotzdem immer noch wahnsinnig gern, vor allem, wie das Mordopfer quasi von allein im Handumdrehen skelettiert und dann über der Rehling hängt. Und dass Wido für den Anfang „Wir lagen vor Madagaskar“ rausgesucht hat. Und dann den Text erstmal selber gesprochen hat. Danke!