Detektiv Rockford: Anruf zwecklos (Teil 1)

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Teil 2 und 3 des „Rockford“-Tryptichs, abfotografiert vom Fernsehr. 2.v.r.: James Garner als Jim Rockford, daneben Joe Santos als Dennis Becker, Jims Freund beim Los Angeles Police Department.

Jede Episode beginnt mit einer Nachricht auf Detektiv Rockfords Anrufbeantworter: „Hallo Jim, hier ist Kelly vom Supermarkt, der zweite Scheck ist auch geplatzt.“ Oder: „Sie haben bei uns einen Anrufbeantworter gekauft. Ich sehe, Sie benutzen ihn; wie wär’s, wenn Sie ihn auch bezahlen?“ Jim Rockford (gespielt von James Garner) ist immer pleite. Er lebt in einem Wohnwagen am Pacific Coast Highway. Seine Fälle löst er durch Tricks und Schwindeleien. Die Polizei hasst ihn. Er hat keine Knarre, aber einen goldenen Pontiac Firebird und seinen Vater Rocky. Wenn der Fall gelöst ist, gehen sie angeln. Schön und ein bisschen traurig, sich an „Detektiv Rockford: Anruf genügt“ zu erinnern. Die Serie lief in Deutschland von 1976 bis 1980. Ich als Kind dachte: Toll, ein Sakko mit Schlitzen hinten, ein cooles Auto und ein guter Spruch reichen aus, um gut durchs Leben zu kommen. Stimmt leider nicht. Aber was für eine schöne Vorstellung.

Ein kleiner Text, den ich vor neun Jahren mal für BRIGITTE geschrieben habe, als die Kolleginnen und ich von unseren liebsten Fernsehserien schwärmen durften. James Garner (1928-2014) hätte schöner nicht sterben können als vorigen Sonnabend, nehme ich an, mit 86, zu Hause im Bett. Und die letzten Rockford-Filme sind auch schon rund zwanzig Jahre her. Trotzdem war es mir lieber, als er noch lebte.

Übrigens stimmt nicht, was oben steht: dass Jim Rockford keine „Knarre“ hat. Er hat einen kurzläufigen Revolver, den er in der Keksdose aufbewahrt und nur äußerst ungern benutzt. Wobei „benutzt“ in diesem Fall heißt: in die Jackentasche steckt und bei Bedarf, im äußersten Notfall, ein bisschen herumfuchtelt damit.

Und noch eine Korrektur zum kleinen Text von 2005: Heute finde ich es auch gar nicht mehr „ein bisschen traurig“, mich an die Serie zu erinnern. Ich habe inzwischen alle rund 160 Folgen noch mindestens einmal auf DVD gesehen, und im Nachhinein ist mir klar geworden, dass der Jim Rockford, wie James Garner in anlegte, eines der wenigen wirklich guten role models war, die man als Junge in den späten Siebzigern, frühen Achtzigern haben konnte: Jim Rockford mit seinem Wohnwagenleben, seiner Abneigung gegen Gewalt und Autorität und seiner leicht genervten Loyalität zu seinen alten Knastkumpels (Isaac Hayes, Baby!), war im Grunde ein Hippy im Sporthemd und Glencheck-Sakko, jemand, der sich mit den Problemen einer Welt herumschlug, an deren Rand er lebte.

Vor ein paar Jahren war ich zum einzigen Mal in meinem Leben in Los Angeles. Das Foto von Amanda Seyfried, das bei dieser Gelegenheit entstand, habe ich in diesem Blog scherzhaft schon mal gezeigt. Seyfried hatte in unserem Gespräch viel über das groteske Leben mit den Paparazzi erzählt, und weil mich das interessierte und ich meinte, darin den Dreh für meinen Text über sie finden zu können, mietete ich am nächsten Tag ein Auto und fuhr zu einigen berüchtigten Paparazzi-Hot-Spots, wo sie den Prominenten vor Restaurants oder Hotels auflauern. Die Szene war jedesmal leicht deprimierend und wenig erhellend, und am Ende schrieb ich nichts davon in meinen Text. Aber ich hatte das Auto noch zwei Stunden, also fuhr ich den Pacific Coast Highway nach Norden Richtung Malibu, zu jenem Parkplatz, wo in der Serie „The Rockford Files“ der Wohnwagen steht, vor dessen Tür sich James Garner so oft prügeln musste (Garner stieg nach sechs Staffeln aus der Serie aus, weil er aus Zeit- und Kostengründen alle Schlägereien und Autostunts selber machte und am Ende völlig runter war auf der Bereifung). Die Adresse, die in der Serie unter seiner Anzeige im Branchenbuch zu sehen ist, gibt es nicht, aber mit ein bisschen Rumfragen findet man den ungefähren Ort. Dort ist auch der Pier, von dem aus Jim Rockford mit seinem Vater Rocky angelte.

Jedenfalls fand ich den Ort, der heute ganz anders aussieht, aber auf dem Pier nicht weit davon stand ein Chili-Truck, und ich war in diesem Moment so glücklich bei der Kombi Ich+Rockford-Pier+Diet-Coke+Chili-Dog, dass ich jemanden bat, mich zu fotografieren.

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Am Ende von Reisen (in diesem Fall immerhin fünf Tage) stehe ich oft ratlos vor den Trümmern meines Bekleidungskonzepts, das mir beim Aufbruch noch so schlüssig erschien. Und das sieht dann so aus.

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Wo Jim Rockfords Trailer stand, Malibu, März 2007.

Und so kam das alles. Danke dafür.

5 Kommentare zu “Detektiv Rockford: Anruf zwecklos (Teil 1)

  1. Ich habe nie auch nur eine einzige folge von Detektiv Rockford gesehen,und soeben bedauere ich das zum ersten Mal ernsthaft. Danke für den Text! Ich werde jetzt mal losziehen und mir eine DVD besorgen.

    • Liebe Friederike, danke für den Kommentar. Das Thema beschäftigt mich sieben Stunden später immer noch, ich glaube, ich muss bei Gelegenheit noch mehr darüber schreiben. Schau mal rein! Ich hab’s Ende der Siebziger nur heimlich geguckt, wenn meine Eltern weg waren, und Anfang der Achtziger dann die Wiederholungen Sonnabendabend im 3. Programm, SFB.
      A propos, und a propos leicht schmerzhafte Nostalgie: Ich habe am Wochenende zufällig gesehen, dass in der RBB-Mediathek jetzt immer die alten Ausgaben der „Abendschau“ von vor 25 Jahren zu sehen sind. Habe mir ein oder zwei gegeben. Heinz-Werner Kock. Aus der Zeit, als wir bei diesen alten SFB-Geschossen unsere Moderationsausbildung in der Voltastraße hatten. Man glaubt nicht, dass man so alt ist, dass die Welt mal so anders war, und man war trotzdem nominell schon erwachsen.

  2. Pingback: Detektiv Rockford: Anruf zwecklos (Teil 2) | Till Raether

  3. “ Hey, hier ist Skipp vom Pier, Sie haben die Parkgebühr 2007 am Pier nicht bezahlt 95 cen, Ich hoffe der ChiliDog war teuer genug. „

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