Monster und Clowns

Im Moment bin ich dabei, meinen zweiten Krimi zu Ende zu schreiben. Also, die erste Fassung (nach dem Motto „Don’t get it right, get it written“, also Augen zu und durch). Eigentlich will ich am Wochenende damit fertig sein. Die Arbeit hat wenig Raum für anderes gelassen, außer natürlich für spät ins Büro kommen, früh nach Hause gehen und nebenbei zur Zerstreuung nochmal alle neun Staffeln der amerikanischen Version von „The Office“ anzuschauen.

Ja, ja, das Original von Ricky Gervais und Stephen Merchant ist ist genialer, unerschrockener und schon per Definition eben, nun: origineller. Aber die US-Version mit Steve Carell ist trotzdem besser. Weil sie es als einzige mir bekannte Sitcom schafft, über Hunderte von Folgen eine epische und trotzdem realistische Liebesgeschichte zu erzählen. Und die minimale aber entscheidende Entwicklung einer Hauptfigur, die als böser Clown anfängt und am Ende ein im Rahmen seiner Möglichkeiten geläuterter Clown ist. Ich weiß, wir hassen alle Clowns. Aber Steve Carell. Ich finde seinen Michael Scott (US-„Office“) die interessantere Figur, weil Ricky Gervais‘ David Brent (UK-„Office“) ein Monster ist; am Ende zwar ein ebenfalls geläutertes, aber ich habe mit Verblüffung zum zweiten Mal festgestellt, dass ich den Clown interessanter finde, weil eben nicht so naheliegend. Und außerdem, aber das ist mir erst jetzt klar geworden: Als ich mal Chef war, war ich auch eher ein Clown als ein Monster. Es dauert immer ein paar Jahre, bis sich mir meine eigene Lächerlichkeit im Nachhinein offenbart. Besser als nie.

Habe ich gesagt „Augen zu und durch“? Auch keine schöne Redewendung. Aber wenn ich gar nicht mehr weiter weiß und mir nichts mehr einfällt, dann schaue ich das hier und nehme mir vor, so zu schreiben, wie Christine Bougie hier Gitarre spielt. Es gelingt mir zwar nicht, aber Hauptsache, man hat einen Plan.

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