„Jene Anteile unserer Erfahrung, die geduckt und still sind“: Elena Ferrante lesen

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Gary Larson, „Far Side“ vom 13.08.1986, Ausriss „Oscala Star-Banner“

Vor ungefähr drei Jahren bin ich durch einen Artikel von James Wood auf die italienische Schriftstellerin Elena Ferrante aufmerksam geworden. Sie sei die Autorin einiger „bemerkenswerter, klarer, ernsthaft ehrlicher“ Romane, er nennt ihre Bücher „auf intensive, brutale Weise persönlich“, „intim und schockierend ehrlich“, „furchtlos“, ihr Schreiben kenne „keine Grenzen“, sie sei bereit, „alles bis zum radikalsten Ende zu denken und bis zum radikalsten Ursprung zurückzuführen“. Und so weiter, es ist ein langer Text. Mit vielen Adjektiven, ungewöhnlich für einen zurückhaltenden Kritiker. Und was mich vor allem interessierte: Ferrante finde ihr Material und ihre Geschichten im Alleralltäglichsten, im Eheleben, im Leben mit Kindern, in den ganz normalen Handlungen und Enttäuschungen unserer banalen Existenz. Wood zitiert Ferrante selbst mit den Worten, sie schreibe gern Geschichten, die ganz klar und ehrlich erzählt seien, „und in denen die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens außerordentlich packend zu lesen sind“.

Ich bin alarmiert, wenn beim Preisen einer Autorin ständig das Wort „ehrlich“ fällt, denn, ganz ehrlich, Ehrlichkeit ist sicher die am meisten missverstandene und überschätzte Eigenschaft, wenn es ums Schreiben geht. Oder sagen wir: Es ist Definitionssache, und „ehrlich“ schreiben ist meist ein Synonym für entweder einen durch Kunstlosigkeit leicht bedrückenden Naturalismus, oder für Denkfaulheit, weil: Hauptsache ehrlich.

Davon aber kann bei Elena Ferrante keine Rede sein. Sie ist, das vorweg, die wunderbarste Autorin, die ich mir vorstellen kann, ihre Bücher sind Träume, die in Erfüllung gegangen sind. Alpträume, auch. Leider ist seit Jahren kein Buch von ihr in Deutschland erhältlich. Vor zwölf Jahren erschien „Lästige Liebe“, vor zehn Jahren „Tage des Verlassenwerdens“, vor fünf Jahren „Die Frau im Dunkeln“ , alle bei großen Verlagen, sie haben es wirklich versucht, aber sie sind nicht dran geblieben.

Es gibt ein bisschen einen verborgenen Ferrante-Kult in Deutschland, das sieht man schon daran, dass die einst billigen und dünnen Taschenbücher jetzt gebraucht zwischen 20 und 40 Euro kosten. Doch insgesamt fühlt sich Ferrantes Abwesenheit in Deutschland an, als würde „Star Wars – Das Erwachen der Macht“ auf der ganzen Welt am 17. Dezember anlaufen, aber in Deutschland erst im Herbst 2016, oder im Frühjahr 2017. Denn seit 2011 ist in Italien ihre Romanreihe „L’amica geniale“ erschienen, auf Englisch seit 2012 als „My Brilliant Friend“ übersetzt. Man soll sowas nicht überbewerten, aber: die englischsprachige Ausgabe beginnt mit etwa zwanzig Seiten Pressezitaten, die nach Ländern geordnet sind, USA, Großbritannien, Italien, Spanien, Australien, alles mögliche, nur Deutschland fehlt. Dank Elena Ferrante führt die ganze Welt eine hochaktuelle Diskussion über Gewalt, Unterdrückung, Freiheitsdrang und die adäquaten literarischen Mittel, diese Themen zu bearbeiten, aber wir können uns nicht daran beteiligen. Noch nicht. Eine deutsche Übersetzung der vier Romane ist ab Herbst 2016 angekündigt, frühestens. Und das ist toll, aber viel zu spät.

Wo anfangen. Ich habe „Die Frau im Dunkeln“ vor zwei, drei Jahren gelesen und das Buch seitdem ständig weiterverliehen. Wir haben bei „Brigitte Woman“ beschlossen, eine Geschichte über Elena Ferrante und „Die Frau im Dunkeln“ zu machen, obwohl das Buch gar nicht erhältlich ist, weil meine Chefin Christine Hohwieler auch so begeistert davon war, aber dann haben wir uns im letzten Moment dagegen entschieden, weil: schwierig, in einer großen Publikumszeitschrift drei oder vier Seiten einem vergriffenen Buch einzuräumen. „Die Frau im Dunkeln“ (übersetzt von Anja Nattefort) erzählt die Geschichte einer 47-jährigen Akademikerin, die alleine Urlaub in Süditalien macht und dabei am Strand jeden Tag eine neapolitanische Großfamilie beobachtet, die sie mit ihrer eigenen Vergangenheit als Mutter konfrontiert. Was zu einigen am Ende traumatischen Verwicklungen führt. Gehen wir mal näher ran: Die Erzählerin sieht, wie verzweifelt die kleine Tochter der Familie mit ihrer Mutter ihre hässliche Puppe sucht am Strand, vergeblich, aber die Erzählerin findet die Puppe und gibt sie der Familie erstmal nicht zurück. Mit dieser genau beobachteten und kühl erzählten, irrationalen Gemeinheit setzt Ferrante nicht nur die Handlung in Gang, sondern ein ganzes Metaphern-Mobile des Verschwindens, Verlierens, Wegnehmens und Verlassens, das alle Texte von ihr miteinander verbindet, die ich gelesen habe. Die Kunst ist aber eben, dass das Bild und die Handlung so alltäglich, so kleinlich und eben durch die Irrationalität so groß und unberechenbar sind.

In den Herbstferien schließlich las ich einmal mehr im Internet über Ferrante, man kann, außerhalb von deutschen Zeitungsseiten oder Blogs, kaum irgendwo hintreten, ohne auf Ferrante zu stoßen. Und zwar so, dass es auch schon fast wieder abschreckend ist. Ihre neuen vier Romane, eben die Reihe „L’amica geniale“ (so heißt auch der erste Band), mitunter genannt „das neapolitanische Quartett“, werden von aufgewühlten Leserinnen und Lesern als lebensverändernd, wenigstens einschneidend beschrieben. Besonders fasziniert hat mich die Bemerkung einer britischen Kritikerin, die schrieb, ein Kollege von ihr habe gesagt, er hätte kaum weiterlesen können, so sehr habe er durch Ferrantes Neapel-Romane gehasst, ein Mann zu sein.

Es steht also was auf dem Spiel. Wenn eine Autorin es schafft, dass Menschen anfangen, ihr eigenes Geschlecht zu hassen, macht sie was richtig. Nicht, weil man sein Geschlecht hassen muss, sondern weil das dafür spricht, dass sie im Besitz wirklich herausragender Gestaltungsmittel ist. Ich habe mir dann die englischen Übersetzungen besorgt und habe erst vor drei Tagen wieder aufgehört mit dem Lesen. Ich wachte morgens um fünf auf und dachte: Ah, toll, lese ich schnell den dritten Neapel-Roman zu Ende. Als ich damit durch war und aufstand, war ich so erschüttert und zerschlagen, dass meine Familie mich kaum wieder erkannt hat. Das kommt morgens zwar öfter vor, aber selten wegen meiner Lektüre. Sobald alles aus dem Haus waren, fing ich Ferrantes vierten und letzten Neapel-Roman an, und erst nach etwa siebzig Seiten wurde mir klar: Ich kann nicht mehr, ich muss eine Pause machen. Ich muss was Langweiliges, Gepflegtes, Gehegtes lesen, etwas, das ich kontrollieren und von mir fernhalten kann. Die Auswahl ist zum Glück groß.

Elena Ferrante kann man nicht von sich fernhalten. Ihre Neapel-Romane erzählen die Geschichte der beiden Freundinnen Elena und Lila, beide 1944 geboren, in einem randständigen Viertel von Neapel, von ihrer Grundschulzeit bis in die Gegenwart, 2010. Am Anfang scheint die Rollenverteilung klar: Elena, die Ich-Erzählerin, ist brav, unscheinbar und strebsam, Lila ist wild, furchtlos, unberechenbar und charismatisch. Normalerweise langweilen mich Kindheitsbeschreibungen in epischen Erzählungen, aber Ferrante schreibt so, dass ich (sitzt Ihr?) beim Lesen den beklemmenden Eindruck hatte, mich durch die Erlebnisse von Lena und Lila besser an meine eigene Kindheit erinnern zu können, ja, meine eigene Kindheit besser zu verstehen. Es gibt zum Beispiel eine Szene, in der die furchtlose Lila ihre Freundin Elena (oder Lena) auffordert, ihr in einen dunklen Keller zu folgen, in den ihre Puppen gefallen sind, und Lena kommt mit, obwohl sie Angst hat, denn sie hat das Gefühl: Wenn ich jetzt nicht mitgehe, verpasse ich nicht nur etwas und Lila ist fort, sondern sie hat auch etwas von mir mitgenommen, einen Teil, von dem ich bisher gar nicht wusste, dass ich ihn habe. Ja. So fühlt sich das an, aber vorher wusste ich es nicht.

Im Laufe der Geschichte und im Laufe der Jahre ändert sich die Rollenverteilung der beiden Freundinnen immer wieder, ihre Entfernung, ihr Machtverhältnis, aber beide versuchen, ein möglichst freies und selbstbestimmtes Leben zu führen unter schwierigsten Voraussetzungen: Gewalt ist allgegenwärtig, meist geht sie von Männern aus, aber nicht nur, Mütter prügeln ihre Kinder, wie sie ihnen heute mit Bildschirmentzug drohen, die Ankündigung „Komm her, damit ich dich töten kann“ ist familiäre Alltagssprache; Lena kann nur zur Schule gehen, weil ihre Lehrerin sich gegen ihre Eltern durchsetzt und ihr mit großer Geste die nötigen Bücher gebraucht besorgt, und jeden Sommer wieder das demütigende Warten ob die Bücher kommen; Lila hingegen muss die Schule mit zwölf verlassen; eine von ihnen wird mit sechzehn verheiratet. Aber es sind keine Elendsgeschichten, sondern es ist der anfangs von beiden für als selbstverständlich genommene Hintergrund für Glücksmomente, Illusionen von Freiheit, für eine freundschaftliche Nähe, die ihnen Kraft gibt und die sie lähmt.

Ferrante schreibt aphoristisch, das heißt, ihre Beschreibungen klingen immer wieder wie verdichtete Sinnsprüche. Wobei ihre Sprache ganz einfach und schmucklos ist. Die Symbiose einer kindlichen Freundschaft beschreibt sie so, wenn die stille Lena sagt, wie sie sich in Abwesenheit der wilden Lila an deren Verhalten orientiert: „Nach einem kurzen Zögern versetzte ich mich in sie hinein. Oder, besser gesagt: Ich räumte ihr einen Platz in mir ein.“ Ja. Das ist das, was wirklich passiert, wenn man denkt, wie würde Soundso sich verhalten: man versetzt sich nicht in den anderen, man räumt ihm einen Platz in sich ein (ich übersetze aus der amerikanischen Übersetzung von Ann Goldstein, mein Italienisch würde nicht reichen, um in Rom einen Espresso zu bekommen). Letztendlich tut Ferrante, was sie selbst über die kindliche Lila sagt, die ein Talent zum Geschichtenerzählen hat: „Sie verstärkte die Realität, indem sie sie zu Wörtern reduzierte.“

Ich erwähnte anfangs das entschieden Alltägliche von Ferrantes Settings und Plots: Obwohl es in den Neapel-Romanen später auch um Studentenrevolte, Neofaschismus, die Comorra und andere übergeordnete Zeitthemen geht, nimmt die Handlung ihre Kraft aus der Dramaturgie unserer alltäglichen Leben: Geburt, Schule, Arbeit, Ehe, Kinder, Tod. Aber, wieder in den Worten Lenas, die eine frühe Erkenntnis ihrer Freundin Lila paraphrasiert, als diese sich von kommunistischen Nachbarssohn Pasquale die Ungerechtigkeiten der Welt hat erklären lassen: „Es gibt keine Gesten, keine Wörter, keine Seufzer, die nicht die Summe alle Verbrechen enthalten, die Menschen begangen haben und weiter begehen.“ Das Große ist immer im Kleinsten, das Private ist das Politische, zu diesem alten Slogan bekennt Ferrante sich in einem wahnsinnig interessanten Interview mit Elissa Schapell in „Vanity Fair“, auf das Christine mich aufmerksam gemacht hat. Aber jetzt nochmal Ferrante, über das Große und das Kleine, und schaut euch an, wie sie hier mal eben das ganze verdammte Storytelling auseinandernimmt, eine Szene, in der Lila die Bücher ihrer Freundin liest, um den Anschluss nicht zu verlieren, nachdem sie die Schule verlasssen musste:

Einmal klappte sie das Buch plötzlich zu und sagte entnervt: „Jetzt reicht’s aber.“

„Warum?“

„Weil ich genug habe, es ist immer dieselbe Geschichte: In jedem kleinen Ding ist ein noch kleineres Ding, dass sich befreien will, und außerhalb von jedem großen Ding ist ein noch größeres, das es gefangen halten will. Ich koche jetzt.“

In dem Interview, das ich gerade erwähnt habe, sagt Ferrante über das Schreiben und die Sprache: „Im allgemeinen verbergen wir unsere Erfahrungen und benutzen abgedroschene Phrasen – nette, vorgefertigte, beruhigende Stilisierungen, die uns einen Eindruck von vertrauter Normalität verschaffen. Aber auf diese Weise vermeiden wir, bewusst oder unbewusst, alles, was Anstrengung und eine qualvolle Suche nach Worten bedeuten würde. Ehrliches Schreiben zwingt einen, Worte zu finden für jene Anteile unserer Erfahrung, die geduckt und still sind. Einerseits erzählt eine gute Geschichte – oder besser gesagt, die Art von Geschichte, die mir am besten gefällt – eine Erfahrung, zum Beispiel, eine Freundschaft, die bestimmten Konventionen folgt, welche sie  erkennbar und mitreißend machen. Andererseits muss sie hin und wieder das Magma zeigen, das unter den Säulen der Konvention fließt.“ Das ist es also, das ehrliche Schreiben. Und natürlich frage ich mich als Autor in diesem Moment: Wie oft ist es mir gelungen, die Worte zu finden, die nicht nur die Konventionen erfüllen, sondern die immer mal wieder das Magma zeigen, das unter ihren Säulen fließt?

Ferrante wirft einen auf sich selbst zurück. Das Wort Abenteuer ist für Lese-Erfahrungen überstrapaziert und hohl. Sagen wir, sie zu lesen, erinnert mich an einen alten Gary-Larson-Cartoon aus seiner „Far Side“-Zeit. Ihr seht ihn oben. Ferrante lesen, das ist, wie mitten im Leben ein größeres Gehirn hervorziehen zu können. Und ich glaube zwar nicht an den Nobelpreis, aber daran, dass Ferrante ihn in diesem Jahrzehnt bekommen wird. Und spätestens dann werden all ihre Bücher auch in Deutschland an jeder Ecke erhältlich sein.

Die Autorin übrigens bleibt im Verborgenen: Ihr Name ist ein Pseudonym, sie gibt pro Land und pro Buch ein E-Mail-Interview, keine Fotos, keine Auftritte, kein Geburtsdatum, nur, dass sie aus Neapel stammt, gibt sie preis. „Vor zwanzig Jahren habe ich einfach ein für allemal beschlossen, mich von der Angespanntheit des Bekanntseins zu befreien und von dem Drang, zum Kreis der erfolgreichen Leute zu gehören, die glauben, sie hätten wer weiß was erreicht“, sagt sie. „Das war ein wichtiger Schritt für mich. Heute habe ich das Gefühl, dass ich durch diese Entscheidung einen Ort für mich selbst gewonnen habe, einen Freiraum, in dem ich mich aktiv und präsent fühle. Das aufzugeben, wäre schmerzhaft.“

10 Kommentare zu “„Jene Anteile unserer Erfahrung, die geduckt und still sind“: Elena Ferrante lesen

  1. Hallo Till,
    nachdem ich gleich nach Erscheinen dieses Beitrags „Die Frau im Dunkeln“ noch gebraucht erwischen konnte und dann auch sofort in einem Rutsch durchgelesen habe, brauchte ich erstmal ein bisschen Zeit zum Sortieren. Ich mochte die Hauptperson nicht, und das hat mich ratlos zurückgelassen. Ist man doch sonst dahin erzogen, sich mehr oder weniger mit den Protagonisten identifizieren zu können und wollen. Bis mir klar wurde, dass das Quatsch ist. Ja, es ist ein großartiges Buch, sowohl in der klaren Sprache als auch in seinen kühlen Beobachtungen. Mutig und, genau, ehrlich. Ich bin gespannt auf mehr.
    Liebe Grüße
    Anke

    • Liebe Anke, tut mir Leid, ich habe vergessen zu antworten. Danke für den Kommentar! Aber sind am Ende die interessantesten Bücher nicht immer die mit einer nicht so besonders sympathischen Hauptfigur? Ich finde, davon hat man auf die Dauer mehr.

  2. Lieber Till,

    ich lese gerade das zweites Buch von L´amica geniale, glücklicherweise auf meine Muttersprache, und finde soooooo schade dass es keine Deutsche Übersetzung gibt. Ich möchte so gern dass meine Freundin (und ihr allen) das lesen würde…ich bin gerade in dem reinen Wahnsinn geraten, gehe ich weiter lesen:-) dann kann ich was sagen.

    Liebe Grüße

    F

    • Lieber Fabrizio,

      ja, genau so, „in Wahnsinn geraten“, würde ich meine Leseerfahrung auch beschreiben. Wie gesagt, auf Deutsch kommen die Bücher dieses oder nächstes Jahr. Aber es dauert noch.
      Hast du einmal in die englische Übersetzung geschaut? Und falls ja, was sagst du zu diesem Artikel hier, in dem steht, dass Elena Ferrante auf Englisch besser ist als auf Italienisch, weil sie kein besonders schönes und gutes Italienisch schreibt?
      http://qz.com/573851/elena-ferrantes-writing-is-better-in-english-than-italian/
      Herzliche Grüße,
      Till

      • Lieber Till,

        tausend Dank für den Tipp! Es ist so, als bei mir gerade viele Ideen zu dem Thema herauskommen (insorgere würde ich übersetzten:-)

        ich schwöre, ich werde mir bei Gelegenheit mit dem Thema zusammensetzten, ich hab demnächst Zeit.

        So schön über solche Sachen rumzuspinnen oder?

        Auf Bald!

        Fabrizio

      • Lieber Till,

        es ist sehr interessant was die Annalisa in dem Blog schreibt. Aber ich finde es gibt ein Missverständnis in ihrem Sicht, und zwar dass eine gute schreiben benötigt eine hoch Sprache. Ich finde, die Sprache von Elena Ferrante ist zwar ungewöhnlich zum teil, spiegelt aber eine krasse Poesie vor, die ist meiner Meinung nach sehr hoch.

        Es gibt Stilbrüche ohne ende, sie schafft vom Akademische Sprache zum vulgäre Dialekt, vom Zeitung bis zum Poesie, und zwar schafft das ohne dass man das merkt. Alles auf einem Guss. Man kann lesen (und spüren) wie die Menschen in Italien reden. Alle menschen von dem tiefste Schicht der Peripherie einer Stadt, bis die Menschen der mittel Schicht die eine gute Ausbildung machen. Alle die details von der Italienische Sprache sind umgefasst.

        Es ist ein Monument an der Sprache, eigentlich.

        Ich hab versucht die Punkte von diesen Artikel zu beantworten, alles die Sache die gelistet wurden, um zu zeigen dass es ist irre zu behaupten, es sei „keine gute Schreiben“.
        Es ist sehr gut….mag sein dass es Lyrische Autoren gibt, wie Baricco, oder wie De Carlo, in denen man die Sprache wegen ihrer höhe Schönheit wundert, aber die Sprache von Elena Ferrante in L´amica geniale ist absolut gigantisch. Durch die tiefe, das vulgär, das höhe und das akademisch gibt das Schreiben von Elena eine komplette Abbildung des Lebens.

        Das ist leider unübersetzbar…

        Und hetzte meine Antwort an die Autorin dieser Artikel, auf schlechten Englisch….ich meine, mein Deutsch ist auch nicht gut aber meine Englisch ist was schlimmer….sorry!

        „Dear Annalisa,

        thanks for this article and the passion to bring to the surface very interesting questions.

        I was yesterday reading the second book (storia del nuovo cognome) and I would like to say something to this theme. But a couple of premises first:

        I am Italian as well (Roma!), and I can not write in english so good as you:-) I´ve read just the first and second book of Lámica geniale, and not others books of Elena Ferrante. (so I don´t know how she write, if it is her style or is just this novel…also an interesting question)
        Those book, l´amica geniale was a suggestion of a friend of mine from the States, and I will read as soon as possible the english translation, I am very curious!

        Nevertheless, I completely disagree with you view of the language. At the beginning I was surprised as well, it is extremely unconventional, but after pages and pages I realized, the book is an hymn to our mother language! A big monument.
        More, it is not just a good story, it is about everything. And one of thin infinity of things, it is a book about italian language. The real italian. Those of real people.

        Umberto Eco would never wright „brava“ to say clever, it is not the high italian of course, but we use this! My grandma told me so, and my mother as well.
        Insorgere is a beautiful picture, really meaningful. I image ideas who jump out of the head like a revolution.

        Si vide con chiarezza: I can see with this phrase and feel a young girl from Napoli who try to speak like you could read in a paper magazine of a small town!!

        Non si sentiva l´artifice della scrittura…that´s poetry! You don’t´t remember the Metonimia???
        that means to use a word in other contest. We say normally sentire to say „listen“ (ho sentito un concerto) and to feel warm or cold (sentir freddo). You are right, it is generically word, and every good teacher tells „you have to not fucking use this fucking word“, but we spoke this word in everyday life. And she use this word with two meanings, to say something completely different. How can you SENTIRE the words??? Because they are coming IN you. Words touch you like a warm or cold breeze, words are sound.

        lei si esprimeva con frasi sì curate, sì senza un errore…I can read and feel here a 19th century libretto for an Opera…that is love for our Italian! And don´t forget please what she write, she is talking about good writing!!!!this irony is such a big force in the whole book…

        The more I read this book, the more I love this writing. It is not just writing, it is music. I can feel the napolitan accent, the „O“, that the normally speak always open…the words give back to me a sound. And the sound is like a pinball in my head.

        Best,
        Fabrizio

        P.S. (Any way, moccioloso is a word!! it means with a lot of mocciolo, that means the green slim from nose! ragazzini mocciolosi is a normal way to speak. Of course not everywhere..)“

        Die Frage, welche mir im Kopf klopft lautet: was bleibt über die Sprache? Was macht diese Bücher im Ausland so erfolgreich?

        Liebe Grüße!

        Fabrizio

      • Lieber Fabrizio, danke für die außerordentlich interessante Antwort und den Brief an Annalisa; hat sie darauf reagiert? Ich fand ihre Argumentation auch nicht ganz schlüssig, obwohl ich kein Italienisch spreche, fand ich die Beispiele, die sie verwendet hat, nicht ganz klar, und manchmal gefiel mir das, was sie auf Italienisch als unpassend oder primitiv bezeichnet hat, sogar besser als die scheinbar anspruchsvollere englische Übersetzung.
        Ich werde die Bücher noch einmal lesen, wenn sie auf Deutsch erscheinen, und ich bin gespannt, ob sie mir dann anders erscheinen oder ob sie deckungsgleich mit den Büchern sind, wie ich sie für mich selbst auf Deutsch empfunden habe.
        Viele Grüße und tut mir Leid, dass ich so lange nicht reagiert habe, ich habe den Kommentar übersehen, das darf natürlich eigentlich nicht passieren!

  3. Vielen Dank für die Empfehlung, hatte noch nie von der Autorin gehört, „Die Frau im Dunkeln“ hat mich extrem beeindruckt. Wie sicher ist es, dass das „neapolitanische Quartett“ Ende des Jahres auf Deutsch erscheint? Frage mich, ob ich warten oder die englische Übersetzung lesen soll. Viele Grüße!

  4. Lieber Till,
    ich kann mich Dir nur anschließen. Meine Frau hat die neapolitanischen Romane letztes Jahr in New York entdeckt und wir waren beide völlig begeistert. Ich war lange nicht mehr so von einem Buch gefesselt. Und es ist tatsächlich so: Sobald man einen der – an sich ja in sich abgeschlossenen Romane – fertig gelesen hat, schlägt man den nächsten auf. In den USA sind die Bücher jedenfalls ein großer Erfolg. Um so überraschender fand ich es, dass es davon noch meine deutsche Übersetzung gibt. Hoffentlich wird die Übersetzung auch gut. Die englische Fassung ist in jedem Fall toll und auch nicht zu schwierig zu lesen.
    Man kann die Bücher also nur weiterempfehlen!

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