Kein Laut dringt aus dem Fleischgefängnis

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Eine Gespenstergeschichte.

 

Nun soll ich also Bericht ablegen über meine Kindheit. Ich verstehe nicht, wie das dem kleinen Theo helfen soll. Rennautos hat er gemocht und Gummibärchen und sein T-Shirt, wo drauf stand „Brummi wünscht gute Fahrt“, mit einem Lastwagen in Menschengestalt. Aber ich bin alt geworden bis fast zum Tode, und vielleicht bin ich allein deshalb bereit, an meine Kindheit zu denken und von ihr zu berichten: weil sie mir, je älter ich werde, immer näher kommt. Alle sind tot, meine Mutter schon seit vielen Jahren, mein Mann ist gegangen, weil er die Eckenwesen nicht mehr ertragen konnte, im März sind es zehn Jahre, tot ist er auch.

Eckenwesen, das Wort ist von meiner Mutter. Ich war ihr ganzer Stolz. Weil ich fast alles war, was sie hatte. Sie hatte nur mich und die Eckengäste und den Kiosk im Freibad, darum waren die Winter uns lang. Als sie starb, sagte der Pfarrer: Sie war eine einfache Frau. Womit er wohl meinte, dass sie ungebildet war, keine Rücklagen hatte und nichts aus ihrem Leben gemacht.

Aber einfach? Nein. Sie war der schwierigste Mensch von allen.

Für sie gab es keinen Unterschied zwischen Traum und Wirklichkeit, darum sagte sie, wenn ich in meinem kratzenden Kleid am weißen Küchentisch saß und nach meinem Vater fragte: „Deinen Vater habe ich im Traum gekannt, von ihm nie wieder ein Wort.“ Und wenn ich dann fragte, woher ich käme, wenn sie ihn doch nur im Traum gekannt habe, dann schlug sie mich mit der Faust. Als ich in die Schule kam, hörte ich, dass andere Eltern mit der flachen Hand schlugen und die Lehrer auch. Meine Mutter nahm immer die Faust. Aber sie liebte mich sehr. Manchmal öffnete sie Faust danach und zeigte mir, während sie mich in den Arm nahm, dass eine Leckmuschel darin war für mich zum Trost.

Wie sehr sie mich liebte, wurde mir klar, als die Eckenwesen zu mir kamen. Ich werde wohl sieben oder acht Jahre alt gewesen sein, ich hatte den Freischwimmer, eine Puppe, die ich im Sommer abends auf der Liegewiese im Freibad gefunden hatte, und einen dicken Zopf und ich liebte Leckmuscheln und Waldmeister-Brausepulver. Nachts wachte ich auf und spürte, dass jemand in meinem Zimmer war.

„Wenn du in die Schule kommst“, hatte meine Mutter gesagt, „bekommst du dein eigenes Zimmer. Dann bist du ein großes Mädchen. Und ich schlafe im Wohnzimmer, wir bitten Onkel Heini um Geld für ein Schrankbett.“ Ich war stolz, weil ich nun ein großes Mädchen war, aber ich glaube, meine Mutter gab mir das Zimmer, in dem wir all die Jahre zusammen geschlafen hatten, weil sie mich den Eckenwesen überlassen wollte oder umgekehrt, mir die Eckenwesen.

Jemand war also in diesem Zimmer, oder etwas. In der Ecke, die am dunkelsten und von meinem Bett am weitesten entfernt war. Ich lag unter der Decke und dachte nicht daran, mich zu rühren. Damals, in jenem Moment, lernte ich, auf die einzige Art zu atmen, auf die ich heute noch atmen kann. Flacher als flach, sodass man noch lautlos Sauerstoff ziehen kann aus dem kleinsten Rest Luft. Damit einen niemand hört, damit niemand aufmerksam wird darauf, dass es einen gibt.

Aber ich war ja ein Kind. Wer Kinder gesehen hat, weiß, dass sie sich bewegen müssen. Lange stillhalten konnte ich nie, ich habe es zu spüren bekommen. Auch jetzt, als die Anwesenheit in der Ecke war und mein Atem noch so flach. Zappelliese, hat meine Mutter gesagt, und irgendwann konnte ich nicht anders, ich musste mich bewegen.

Allein, es wollte mir nicht gelingen. Ich konnte atmen und die Augäpfel bewegen in ihren Höhlen, zur Dunkelheit, die nichts verriet, in der Zimmerecke, aber es war mir unmöglich, meinem Rumpf, den Armen und den Beinen eine Bewegung abzuringen. Aufspringen und wegrennen, zu meiner Mutter, ohne Rücksicht auf die Faust. Aber es ging nicht.

Mein Körper war ein Fleischgefängnis. Auch das Wort habe ich später gelernt von meiner Mutter. Gelähmt durch die Anwesenheit. Noch konnte ich sie nicht erkennen, nur spüren.

Versuchte ich zu schreien? Irgendwann schon. Es dauert. Man schreit nie gleich. Und wenn man es dann versucht, kommt nichts, es geht nicht. Kein Laut dringt aus dem Fleischgefängnis.

Nun bin ich aufgefordert worden von Rechts wegen, Auskunft zu geben über meine Kindheit, aber gezögert habe ich damit lange vielleicht auch, weil ich keine genauen Erinnerungen habe an exakte Daten und Orte, und ich hasse Ungenauigkeit.

Wann also die Anwesenheit sich zum ersten Mal gezeigt hat mit Gesicht, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht auch, weil es mir, sobald sie es tat, vorkommen musste, als hätte ich sie schon immer gekannt und schon immer von ihr gewusst.

Eine alte Frau also, die bei einem in der Ecke sitzt oder steht. Oder, in den Worten der vielfältigen Literatur darüber aus den vergangenen Jahrhunderten: ein altes Weib.

Ein altes Weib, das von da an jede Nacht bei mir im Zimmer war, in der Ecke des Kinderzimmers des sieben, acht oder neun Jahre alten Mädchens, das ich war. Bis das alte Weib zu mir ans Bett kam.

Aber das war später.

Noch einmal möchte ich an dieser Stelle meine Enttäuschung über die Ungenauigkeit festhalten, niemand leidet darunter mehr als ich.

Das alte Weib also, in einem schwarzen, groben Kleid wie seit unsterblicher Zeit. Die Haare verborgen unter einem ebenso dunklen Kopftuch, eng gewickelt, das Anlitz im Dunkeln des Zimmers reduziert auf das Allernötigste: den Abhang des Kinns, den Vorsprung der Nase, die Fläche der Stirn ins Dunkel des Kopftuchs, und von den Zügen des Gesichts nur Falten, zum Erahnen. Lange Ärmel, Strumpfhosen wie aus Drillich.

Zu deutlich? Für etwas, von dem Ihr sagt, es gibt es nicht?

Nun, ich fühlte die alte Frau und was sie trug mehr, als dass ich sie sah, später, als sie auf mir saß und mich niederdrückte in die Kissen und Decken mit den knochigen Fingern und der dem Tode geweihten Endkraft der wirklich Alten. Ihr Atmen, der roch wie die Dunkelheit der Welt selbst, wie etwas, das von innen stirbt. Und ich, das Kind, unter ihr, unfähig, mich zu rühren, mich zu wehren, ihr zu entkommen.

Kinder, heißt es immer, ich habe es später oft gelesen und gehört, Kinder sind robust, stärker als man denkt, ihr Geheimnis ist, dass sie sich an alles gewöhnen.

Jede Nacht. Was sollte ich tun, als mich zu gewöhnen, wenn das alte Weib jede Nacht zu mir kam.

Nun wagte ich nicht mehr zu schlafen in meinem Bett und in der Nacht. Ich schlief in der Schule, im Sonnenlicht hinter dem Schuppen in Onkel Heinis Garten. Beim Abendessen weinte ich in Erwartung meines Bettes und des alten Weibes und der mir bevorstehenden Nacht im Fleischgefängnis. Tränen mochte meine Mutter nie, darum dann wieder die Faust. Bis ich ihr erzählte in der Sprache, die ich aus der Schule kannte und von den anderen Mädchen, die einander Freundinnen nannten: Albträume. Wie schlecht ich träumte, jede Nacht. Und von der alten Frau.

Meine Mutter umfing mich zärtlich, als wäre ich gerade zum zweiten oder in Wahrheit überhaupt zum ersten Mal geboren worden, endlich zur Welt gekommen.

Zu ihrer Welt.

Viel später habe ich eine undeutliche Vorstellung davon bekommen, wie andere Eltern reagiert hätten auf ein Kind meines Alters, das mit diesen Bildern zu ihm kam. Sie hätten gesagt: Es ist nur ein Traum. Du hast schlecht geträumt. Ein böser Traum. Aber jetzt ist alles wieder gut. Alles wird gut. Mama ist ja da. Papa ist ja da. Du hast nur geträumt.

Die Worte aber, die meine Mutter an mich richtete, waren mir vertraut, bevor sie sie aussprach, ja, während ich sie hörte, wurden sie ein Teil von mir und kaum waren sie verklungen, fühlte ich mich, als wären sie ein Teil von mir. Wenn du Kind bist, besteht deine Welt aus den Worten und den Taten deiner Eltern.

Meine Mutter sagte: „Oh, du hast sie getroffen, du hast sie getroffen. Ich bin so froh, dass sie zu dir gekommen sind.“ Sie nahm mich in den Arm, ohne Faust, dabei hätte ich, wie ich jetzt zugeben kann, so gern eine Leckmuschel gehabt. „Du hast eine alte Frau gesehen?“, fragte meine Mutter, als sollte ich eine Landschaft beschreiben, die sie auch schon bereist hatte, die ihr aber durch meine Beschreibung noch einmal lebendiger wurde, wie bei ihrem ersten Male. „Und was hast du noch gesehen?“

Ich weinte. Vielleicht, weil ich auf die Faust mit der Leckmuschel hoffte, denn manchmal kam sie, wenn ich weinte. Vielleicht, weil ich erleichtert war. Vielleicht, weil ich nun noch mehr Angst hatte also zuvor vor den Träumen, die keine waren, weil meine Mutter das sagte.

„Ich weiß es nicht“, sagte ich, „eine … als ob jemand da wäre. In der Zimmerecke.“

„Aber du kannst nicht sehen, du kannst noch nicht sehen, wer es ist?“, fragte meine Mutter, ihre Stimme gesenkt. Sie hatte sich vor mich gekniet auf das hellgelbe Küchenlinoleum, und weil sie so leise sprach, hörte ich fast nur, wie draußen auf dem Wäscheplatz eine der Nachbarinnen die Teppiche über der Stange ausklopfte, und weil Sommer war und alle Fenster offen und die Wohnung klein und der Wäscheplatz nah, trieb der Staub aus einem anderen Leben in unsere Wohnung.

Ich schüttelte den Kopf.

„Hast du deinen Vater gesehen?“ Meine Mutter flüsterte jetzt, aber woran hätte ich ihn erkennen sollen. Und ein Mann war nicht gekommen. Meine Mutter ballte die Faust, atmete tief und öffnete sie dann, sie schob mir eine Strähne, die sich aus dem Zopf gelöst hatte, aus der Stirn und schob mich von sich fort. „Vielleicht kommt er noch.“

Die alte Frau kam nun jede Nacht. Andere Kinder hatten Albträume, aber ich hatte gelernt von meiner Mutter, dass ich Besuch hatte. „Eckenwesen“, sagte sie morgens beim Frühstück, ohne Fragezeichen, und ich nickte immer.

Je älter ich wurde, desto mehr kämpfte ich gegen das alte Weib, das nachts auf meinem Brustkorb saß. Im Kampf fiel ich in tiefen, toten Schlaf, und wenn ich aufwachte am Morgen, waren meine Finger wund und meine Haut aufgeschürft, wo das alte Weib mich gehalten hatte.

Als mein Körper sich zu verändern begann und meine Seele, fürchtete ich meine Mutter, dann fing ich an, sie zu hassen, und die Eckenwesen noch mehr. Ich entglitt meiner Mutter und genoss, dass sie es spürte, ohnmächtig, wie sie nicht mehr wagte, die Faust zu erheben gegen die Dreizehn-, Vierzehn-Jährige, die Faust, die sie dem kleineren Kind geschenkt hatte.

Vor ihrer Ohnmacht und vor meinem Hass floh ich an Orte, die anders waren als unser Zuhause hinter der Teppichklopfstange. Ein Lokal mit Glücksspielautomaten, wo der Wirt mich Cola mit Rotwein trinken ließ und hinauswarf, wenn Gäste kamen. Der Bahnhof, weil die Menschen dort wegfuhren. Die Stadtbücherei, denn da gab es Bücher. Meine Welt war längst zerfallen in zwei Teile: Flucht bei Tageslicht, bei Nacht Gefangenschaft in meinem Körper, gelähmt vor den Anwesenheiten in meinem Raum und auf meiner Brust.

In einer Augenblicksverzweiflung suchte ich Rat in in einem alten Handbuch über Träume: was in ihnen wiederkehrt, und was es bedeutet.

„Dies ist eine Bibliothek, wenn ich Sie um Ruhe bitte darf“, sagte jemand scharf durchs Regal, als ich schluchzte an meinem Tisch, der erste ehrliche Ton, den ich in meinem Kinderleben der Lähmung entrissen hatte. Denn es gab ein ganzes Kapitel im Buch über das, was mir widerfuhr und meiner Mutter wohl auch, sie nannten es „Schlaflähmung“ und beschrieben, wie es war und wie ich es kannte, zu träumen und doch wach zu sein, sich nicht rühren zu können, nicht schreien zu können, und eine Anwesenheit war im Zimmer. Viele Kulturen auf der ganzen Welt beschrieben das gleiche Phänomen, in alten Schriften seit den Sumerern und Assyrern, und fast immer war es an den unterschiedlichsten Orten der Welt alte Weiber, die zu denen kamen, die an Schlaflähmung litten. Jede Nacht, und Menschen verzweifelten daran und wurden unfähig zu arbeiten, und Eltern machten sich Vorwürfe, weil sie, woran sie selber litten, vererbten an ihre Kinder. Genetisch war das bedingt, genetisch, damals noch ein großes Wort.

Und wie überzeugt die Leidenden waren von der Wirklichkeit ihrer Besucher, sodass sie gegen sie kämpften im Traum und morgens Schürfungen und Druckstellen an ihrem Körper fanden wie von einem Kampf, Würgemale gar, sich selber beigebracht im Schlaf.

Im Triumph kehrte ich zurück zu meiner Mutter, ein unerhörtes Gefühl, zum ersten Mal in meinem Leben. Sie nahm mir das Buch aus der Hand, und noch während sie es schloss, traf mich ihre Faust. Ich sehe den Spülstein noch vor mir und den hellgrünen Schwammstofflappen, mit dem ich das Blut anzuhalten versuchte von meiner Unterlippe, während meine Mutter vom Tisch sagte: „Das ist es, was wir glauben sollen. Begreifst du es denn nicht. Seit Tausenden von Jahren. Auf der ganzen Welt. Wir gehören zu denen die ausgesucht sind von den Eckenwesen. Begreifst du es denn nicht. Wir sind die Ausgesuchten, wir sind etwas Besonderes.“

Ich schluckte mein Blut hinunter, weil ich nicht zu spucken wagte. Ich war vierzehn, und meine Mutter war tot für mich, da war ich sicher. Ich ging aus der Küche, ohne sie anzuschauen.

Das nächste Mal, als ich sie sah, war sie tot und schwer und es war am nächsten Morgen. Ich habe sie nie nackt gesehen, ihr Körper im beigefarbenen Nachthemd unter der dünnen Decke, ein Fuß sah heraus, zur Pediküre ging sie immer, und an ihrem Hals Würgemale von ihren eigenen Händen.

Die Mama, hat Onkel Heini gesagt, die Mama ist an einer Allergie erstickt im Schlaf. Das neue Nachthemd, man hat es ja nicht gewusst. Ihre Luftröhre ist zugeschwollen, sie hat dagegen angekämpft. Die Würgemalen sollen daher gekommen sein. Eine Nachbarin sagte zur anderen auf dem Treppenabsatz über mir: „Hat sie versucht, sich die Kehle rauszureißen. So ein grausamer Tod. Und das arme Mädchen.“

Aber ich wusste es besser.

Onkel Heini hat dann auf mich aufgepasst. Und die Eckenwesen.

Denn ich habe danach nie mehr an ihnen gezweifelt. Und ich habe nie mehr eine Nacht geschlafen, ohne Besuch von dem alten Weib und von der Anwesenheit in der Ecke. Der größte Schrecken kann ein Trost sein, weil er vertraut ist. Und auch, wenn ich kämpfte: Etwas Besonderes wollte ich sein.

Manchmal kam Onkel Heini, weil er mich schluchzen und stöhnen und kämpfen gehört hat. Er setzte sich auf meine Bettkante und sagte leise „Ja, nun“ und hielt meine Hand, und ich vertrieb mir die Zeit, bis er ging, indem ich seine Finger zur Faust faltete.

Niemand hat mich je verstanden außer dem alten Weib, das jede Nacht auf mir sitzt und mir die Luft abdrückt. Ich habe trotzdem einen Mann getroffen und geheiratet und einen Haushalt geführt. Obwohl ich nachts gelähmt war und nicht schreien konnte, war ich weniger gefangen als der Mann, der meiner war. Bis er es nicht mehr aushielt und ging und irgendwann alleine starb.

Wie soll ich erklären, dass ich nach dem Tod meines Mannes vorm Spiegel stand, die Friedhofserde noch unter den Fingernägeln, und dachte: Alt bist du geworden. Ein altes Weib.

Und dann bin ich zum ersten Mal zurückgefahren in die Wohnung, in der ich gelebt hatte mit meiner Mutter. In unserer Wohnung lebte jetzt der kleine Theo mit seiner Familie. Vater, Mutter, Kind.

Der kleine Theo hat immer gegrüßt, wenn ich von da an meine alte Siedlung besucht habe, die Wohnung im Erdgeschoss, in der meine Mutter und ich wohnten, zum Wäscheplatz raus.

Wo ich herkomme, vergehen die Jahrzehnte schnell und die Zeit steht trotzdem still. Der kleine Theo hat im Hof gespielt und war immer allein, er hat mich an mich erinnert, als ich Kind war.

Ich glaube nicht, dass er mich je erkannt hat, wenn ich nachts mit dem alten Schlüssel kam, den meine Mutter mir an die Hose gebunden hatte früher, und der noch immer passte in die Wohnungstür von früher. Wenn ich nachts kam, während seine Eltern im Wohnzimmer schliefen.

Wem hilft es, wenn ich sage, dass niemandem nachts ein altes Weib auffällt in Schwarz, immer blieb ich unbehelligt auf meinen Wegen? Wem nützt ist, wenn ich beschreibe, wie ich in seiner Zimmerecke stand, während der kleine Theo schlief und wenn er aufwachte, und wie ich Monate wartete, wie ich zehrte von seiner Angst, die mir köstlich wurde wie einst die Leckmuschel, bis ich zum ersten Mal auf ihm saß und ihn das flachste Atmen lehrte?

Allein, er konnte das flachste Atmen nicht lernen. Er war schwach, und wenn man mich nun also auffordert, Bericht abzulegen über meine Kindheit, dann möchte ich eigentlich nur eines sagen: dass ich ein starkes Kind war, weil die Eckenwesen mich stark machten.