„Immer im Lockdown“: Eingesperrt mit Shirley Jackson

IMG_20200408_231158697Vor drei Wochen durfte ich bei www.54books.de über Shirley Jackson schreiben, eine US-amerikanische Autorin der späten Vierziger bis frühen Sechziger Jahre, die mich seit zweieinhalb Jahren sehr beschäftigt:

„Kein lebender Organismus wird lange gedeihen“, beginnt Jackson Spuk in Hill House, „wenn er sich immer nur in der reinen Wirklichkeit aufhalten muss. Sogar Lerchen und Heuschrecken wird von manchen nachgesagt, dass sie träumen.“ Diese in parodistisch professoralem Ton vorgetragene Weisheit ist so etwas wie die Vertragsvorlage von Jackson an ihre Leser*innen: Kommt rein, aber erwartet hier keinen Realismus, sondern träumt wie die Lerchen und die Heuschrecken. Diese Erlaubnis und diese Einsicht in die Notwendigkeit, sich auf die Dauer nicht nur in der so genannten Wirklichkeit aufhalten zu können, macht Jackson zur womöglich idealen Begleiterin in Lockdown-Tagen, während derer man hin und wieder eine Kontaktsperre mit der Realität braucht. Ein solche situative Leseempfehlung bedeutet aber natürlich auch, Shirley Jackson auf die Brauchbarkeit für eine Gegenwart und auf ein paar wenige Aspekte ihres Werkes zu reduzieren. In Wahrheit ist sie immer die richtige Autorin, für jede Gegenwart, mit oder oder Corona. Das liegt daran, dass in Jacksons Texten immer Lockdown ist, für sie ist social distancing die einzige Verhaltensweise, um in einem feindlichen Universum zu überleben und zu navigieren. Das Bedürfnis nach Selbst-Isolation ist die Default-Einstellung ihrer Figuren.

Den ganzen Text lest Ihr hier: www.54books.de/immer-im-lockdown-warum-shirley-jackson-die-autorin-der-stunde-ist/

Vielleicht doch besser als Einführung zu Jackson finde ich folgenden Text von Marcel Inhoff [in englischer Sprache] über Shirley Jacksons Roman „Hangsaman“: shigekuni.wordpress.com/2017/10/28/shirley-jackson-hangsaman/