Bücher

978-3-499-29149-4

„Auf keinen Fall schlechter als die anderen drei.“ (Ehefrau d. Autors)
„Anspruchsvoll. Im Sinne von: an Sprüchen voll.“ (Vater d. Autors)

Seine Augen gewöhnten sich an die schwindende Dunkelheit, und nach drei, vier Atemzügen konnte Danowski lesen, was hier jemand in ziemlich geraden Schritten in den feuchten Beton getrampelt hatte, sodass drei, vier Meter hohe Buchstaben darin entstanden waren:
MARDER
MÜSSEN
STERBEN
 „Hausmarder haben das ganze Jahr über keine Schonzeit“, sagte Jurkschat. „Stimmt schon.“
Die Dunkelheit hielt sich fest in den Mulden und Furchen der getretenen Buchstaben, während die Oberfläche des Betons wieder ein kleines Stück Richtung Tageslicht glitt.
„Da steht nicht Marder“, sagte Danowski. „Das ist kein A. Das ist ein O. Oder ein Ö. Da, wo die Fußspuren weggehen vom Fundament, das sind die Punkte auf dem Ö, die sind …“
„Stimmt“, sagte Jurkschat, „das ist aber wirklich schwer zu erkennen, dass ist nicht besonders sauber gearb …“

Hamburg wird von einer Serie spektakulärer Leichenfunde erschüttert: In Schulkellern werden mumifizierte Tote entdeckt. Die örtliche Polizei ist überfordert und setzt auf Unterstützung von Deutschlands populärstem Fallanalytiker. Der lässt keine Gelegenheit aus, sich wichtig zu tun. Kommissar Danowski kann ihn nicht ausstehen und zweifelt an der Theorie des Kollegen: Ein zu Schulzeiten traumatisierter Einzeltäter? Sein Gefühl sagt ihm etwas anderes.
Währenddessen geht per Tweet ein Hinweis bei der Polizei ein und löst eine Lawine von Ereignissen aus: Panik erfasst die Stadt, Keller werden durchsucht, Schüler beurlaubt, die Senatsverwaltung erwägt Sonderferien, quasi «Leichenfrei». Am Ende steht eine Entdeckung, die die ganze Stadt in Aufruhr versetzt.
Sein vierter Fall führt den Ermittler in die Abgründe des Bildungssystems: verfallene Schulen mit Sanierungsrückstand in Problembezirken, liebevoll sanierte Elitegymnasien und einiges dazwischen.

978-3-499-27200-4

NDR Buch des Monats, Juli 2016

„Hast du das Watt von oben gesehen? Hast du gesehen, wie sich bei Ebbe die Priele durch den Schlick ziehen, in Grautönen, mit denen man das ganze Universum abbilden könnte?
Graue Sternschnuppen vor einem grauen Firmament.
Als du gesprungen bist, war das Watt das letzte, was du gesehen hast. Mit seinen Runzeln, Kurven und Furchen sah es aus wie das Gehirn der ganzen Welt. Sind wir und das Leben, das wir hier haben, nur Gedanken, die das Watt sich macht? Und wenn ja, sind wir dann Einfälle, die das Watt gerade hat, oder sind wir, was das Watt vergessen hat?“

„Fallwind“ erschien am 22. Juli 2016 bei Rowohlt Polaris. Es ist der dritte Kriminalroman über den Hamburger Ermittler Adam Danowski, der sich hier zu Beginn als Geisel in der Gondel einer Off-shore-Windkraftanlage hoch über der stürmischen Nordsee wiederfindet. Kein idealer Ort für einen hochsensiblen Nörgler mit einem gewissem Hang zur Klaustrophobie.

„Buch des Monats“ im NDR: „… spannend, wunderbar dicht geschrieben, mit vielen interessanten Einblicken in die Abgründe der Psyche.“

„Bücher“-Magazin: „Raether ist bekannt für seine launigen Kolumnen und auch Adam Danowski hat einen präzise süffisanten Gedankenstrom, der immer wieder laut auflachen lässt. Im dritten Band ist jedoch das Paket aus morbider Handlung und außerordentlicher Einfühlsamkeit fester geschnürt. Weniger komisch, eher gedankenvoll und mental durchgerüttelt, gerät Danowski im Windpark in einen emotionalen Sturm. Kongenial ist die Schilderung der graubraunen Wattrand-Atmosphäre, in dieser Biosphäre gedeiht nicht umsonst Absonderliches.“

978-3-499-26709-3

3. Platz beim Bloody Cover 2016*

„Hauptkommissar Adam Danowski war enttäuscht von der Rosine. Ja, er fühlte sich von ihr im Stich gelassen. Er hatte sich das besser vorgestellt mit ihr, so, dass da was passieren würde zwischen ihm und der Rosine.“

Im Mai 2015 erschien der zweite Kriminalroman über den hypersensiblen Hamburger Ermittler Adam Danowski, der oft schlechte Laune und hin und wieder eine Eingebung hat.

Peter Körte in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ über „Blutapfel“: „Raether schreibt, wenn man sich in der deutschen Krimiprosa umschaut, überdurchschnittlich gut und gönnt nicht allein seinem Ermittler Kontur und Individualität. Und er hat ein gutes Auge für die Schauplätze in weniger aparten Hamburger Reihenhaus-Vororten. Der Plot von ‚Blutapfel‘ (Rowohlt, 480 S., br., 14,99 Euro) führt in den Elbtunnel, wo ein Mann mitten im Feierabendstau erschossen wird, und er macht einen bekannt mit der Topographie verlassener Orte. Das Opfer gehörte zu jenen Nerds, die solche Orte heimlich erkunden und sich im Deep Web darüber austauschen. Und jenseits der üblichen Trias von Mord – Ermittlung – Aufklärung handelt der Roman davon, dass es auch in der Entwicklung einer Stadt bisweilen so etwas gibt wie ein Unbewusstes und die Wiederkehr des Verdrängten.“

3sat „Kulturzeit“: „In ‚Blutapfel‘ seziert Till Raether das kleinbürgerliche Leben, ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Die Sprache ist klar und reduziert, die Protagonisten sind erfrischend anders.“

*Umschlagabbildung: Thorsten Wulff. Cover-Gestaltung: Hauptmann und Kompanie Werbeagentur, Zürich.

Nominiert für den Friedrich-Glauser Preis 2015

„Wie fühlte man sich eigentlich, wenn man den falschen Mann umgebracht hatte? Richtig scheiße, doppelt schlechtes Gewissen, doppelte Reue, doppelt so tiefer persönlicher Abgrund? Oder war das mehr so wie Haustürschlüssel in der anderen Jacke?“

Den Kriminalroman „Treibland“ erschien März 2014 (492 S., 14,99 Euro, Rowohlt Polaris). Es gibt eine Leseprobe. Und eine Seite, die der Rowohlt-Verlag für das Buch eingerichtet hat: www.treibland.de. „Blutapfel“, der zweite Band mit dem Hamburger Kommissar Adam Danowski erscheint am 30. Mai. „Treibland“ handelt davon, dass jemand an Bord eines Kreuzfahrtschiffes mit einem tödlichen und hoch ansteckenden Virus ermordet wird. Das Schiff wird daraufhin im Hamburger Hafen unter Quarantäne gestellt, und als Kommissar Danowski anfängt, an Bord des Schiffes zu ermitteln, gerät er in ziemliche Schwierigkeiten.

Wenn Sie sich für andere Bücher von mir interessieren, empfiehlt sich unter Umständen das Durchwühlen von Remittenden-Ständern vor Kaufhäusern, oder Sie machen bei amazon-Market Place ein Schnäppchen und sichern sich Ihr gebundenes Exemplar von „Der kleine Beziehungsberater“ nicht für zehn, nein, auch nicht für fünf Cent, sondern für einen.

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„Luise knallt die Wohnungstür zu. Im Flur fällt das gerahmte Max-Ernst-Poster von der Wand. Sehr gut. Viel zu düster. Sitze den Abend über auf dem Sofa und finde alles gut. Einfach mal wohnen. Wann macht man das schon?“

Dies ist die Taschenbuchausgabe, das Original von 2001 gab es in zwei Farben, blau und rot, und das deutet dann möglicherweise bereits auf ein Problem des Buches hin: Mein Versuch, ein erzählendes Sachbuch über Beziehungen zu schreiben, ohne auf Klischees zurückzugreifen, sah am Ende von außen aus wie ein einziges großes Klischee. Man muss aber auch schon sehr jung sein, um auf die Idee zu kommen, man könnte das sich grausam immer weiter drehende Rad des Beziehungsratgebers neu erfinden. Und ich war immerhin schon Anfang dreißig, hatte also nicht einmal mehr jene Ausrede.

Hinzu kommt, dass der Titel natürlich scham- und durchaus auch einfallslos angelehnt war an Axel Hackes bahnbrechenden „Kleinen Erziehungsberater“. Mit diesem Arbeitstitel verkaufte ich dem Verlag damals das Konzept des Buches („ein lustiges Buch über Partnerschaften, also so wie Hackes ‚Kleiner Erziehungsberater‘ das erste lustige Buch über Kinder war, sozusagen ‚Der kleine Beziehungsberater‘, hihi“), und mein im Laufe der Entstehung immer eindringlicheres Flehen, dies müsse aber unbedingt ein Arbeitstitel bleiben und in echt sollte das Buch doch lieber „Ein Fall für zwei“ oder meinetwegen „Luise“ heißen, war natürlich vergeblich, denn: verkäuferisch guter Titel, weiß man gleich, wohin mit dem Buch, so als Buchhändler. Aber halt peinlich für den Autor. 2004 oder 2005 habe ich einmal Axel Hacke in der Redaktion von „Brigitte“ getroffen und mich bei dieser Gelegenheit bei ihm für den schamlosen Titelideen-Klau entschuldigt, aber er hatte noch nie von meinem Buch gehört, darum war es ihm recht egal.

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„Wer sich aufs Sofa fläzte und den Hörer mit der Schulter am Ohr festklemmte, um sich beim Sprechen beidhändig am nackten Knöchel zu kratzen, hatte die volle Aufmerksamkeit seiner wichtigen Gesprächspartner, weil diese auf geheimnisvolle Weise das Gefühl bekamen, sie müssten alles tun, um überhaupt noch zu einem durchzudringen.“

Einige Jahre später hatte ich die Idee, aus meinen gesammelten Kolumnen ein Buch zu machen. Jeder Kolumnist hat irgendwann diese Idee und hält sie für gut, aber die Leser sind nicht immer der geichen Ansicht, außer bei Martenstein, Dobelli oder, äh, Axel Hacke. Ich aber ging noch einen Schritt weiter und strickte alles mit Hilfe einer Rahmenhandlung zu etwas zusammen, was ich scheu bestenfalls für eine Art „Erzählung“ hielt, der Verlag aber fand, es sei ein „Roman“. Ich weiß noch, wie der von mir außerordentlich geschätzte Programmleiter Thomas Tebbe angesichts meiner mit leicht gefälschter Bescheidenheit vorgebrachten Einwände, niemals könnte man mein Geschreibsel als „Roman“ bezeichnen, voll weltgewandter Erschöpfung in der Stimme sagte: „Ach, das Wort ‚Roman‘ ist ein großes Gefäß.“ So also entstand „Das Leben ist nur eine Phase“, ebenfalls inzwischen remittiert. Dem Buch verdanke ich ein paar fantastische Lesungserlebnisse, vor über zweihundert Leuten freiluft bei strömendem Regen in Oldenburg, eine Stadt, die und deren Einwohner ich seitdem zu preisen nicht müde werde, dann aber auch wieder vor sieben Zuhörern in Karlsruhe. Wobei ich, glaube ich, die beiden zuversichtlichen und bis zum Schluss konstruktiven Buchhändlerinnen mitgezählt habe.

„Der Moment, wenn man nach dem Sex nackt in die Küche geht, und auf dem Weg sieht man sich zufällig im Spiegel und erschrickt, weil man während des Sexes irgendwie dachte, ein deutlich attraktiverer Mann würde ihn gerade haben.“

Dann der zweite Versuch, über ein klischeebeladenes Thema jenseits der Klischees zu schreiben: „Männergefühle: Eine Enthüllung“, zusammen mit Stephan Bartels. Das Buch war ein paar Wochen in den Top 50 der „Spiegel“-Bestseller-Liste von „Buchreport“ und bescherte meinem Freund Stephan und mir einen Auftritt in der „NDR-Talkshow“, dem ich bei Gelegenheit einen eigenen Blog-Eintrag widmen werde: ein wunderbares Desaster und von vorn bis hinten ein Lehrstück darüber, ob und wenn ja welche Autoren ins Fernsehen gehen sollten. Und welche nicht. Insgesamt finde ich „Männergefühle“ ein interessantes, aber insgesamt dann vielleicht doch fehlgeschlagenes Experiment, und für mich war es ein Abschied von dem Versuch, mit den Mitteln des erzählenden Sachbuchs über Gender-Themen nachzudenken. Ich glaube, dass unser Ziel war, einen künstlichen Konflikt zwischen Männern und Frauen zu überwinden, indem wir ihn zugespitzt darstellten. Dabei hatten wir ein paar gute Ideen (es gibt, wenn ich es selber sage, ein super Sex-Kapitel im Buch) und ein paar Mal alles andere als. Und wenn dann die „Gemeinschaft Katholischer Männer Deutschlands“ auf ihrer Webseite resümiert, „insgesamt“ sei „das Buch sehr kurzweilig geschrieben und sowohl für ihn als auch für sie absolut lesenswert“, dann ist das schön, aber nicht so ganz das, worauf wir hinauswollten. Das merkt man immer auch dann, wenn uns heute noch Kolleginnen und Kollegen anrufen, um uns als Experten über Männergefühle zu interviewen: zuletzt nach der Bundestagswahl, zur Frage, warum Rösler denn nicht geweint habe, als er die Wahl verlor. Keine Ahnung. Vielleicht, weil er nicht traurig war?

Ein Kommentar zu “Bücher

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