Danowski, gefühlsecht

IMG_20160702_141716Voriges Jahr habe ich auf der Criminale in Büsum den österreichischen Thriller-Autor Bernhard Aichner kennengelernt (der euch allerspätestens seit seiner „Totenfrau“ ein Begriff ist). Es war nur eine kurze Begegnung, aber von den vielen netten, aufgeschlossenen und kollegialen Krimi-Autorinnen und -Autoren, die ich in den letzten drei Jahren getroffen habe, ist Bernhard Aichner einer der freundlichsten. Deshalb haben wir uns auch getraut ihn zu fragen, ob er für „Fallwind“ etwas sagt, das wir aufs Buch schreiben dürfen. Wie Ihr seht, hat er es getan.

Auch wenn ich erstmal kurz und trocken schlucken musste, als ich das Wort „Gefühl“ las (spätestens seit „Männergefühle“ stehe ich ein bisschen auf Kriegsfuß damit, und das ist nicht weniger geworden, seit auch bei dieser EM wieder jeder zuerst von jedem gefragt wurde, wie sich dieser Sieg oder jene Niederlage „angefühlt“ habe). ABER: Bernhard hat ja so recht. Adam Danowski, der Hauptkommissar in „Treibland“, „Blutapfel“ und jetzt „Fallwind“, ist jemand, der von seinen Gefühlen überwältigt wird. Und zwar nicht in dem Sinne, dass er heulend auf der Bordsteinkante sitzt und darauf wartet, dass ihn jemand auf den Arm nimmt (was sowieso nie passieren wird). Sondern in dem Sinne, dass er nicht mal in der Lage ist, diese Gefühle als das wahrzunehmen, was sie sind, als Angst, Überforderung oder Wut.

Ich habe Bernhard Aichner einmal gesagt, dass ich ihn bewundere für die Zielstrebigkeit und die Klarheit, mit der er seine Thriller erzählt (zuletzt „Die Schöne und der Tod“, den ich noch nicht gelesen habe), und mit der auch seine Figuren handeln, wie ich finde. Zum Beispiel Blum in „Totenfrau“ und „Totenhaus“. Für sie sind ihre Gefühle, also anfangs ihre Wut und ihre Trauer, ganz klare Handlungsanweisungen, und sie bleiben ihr wie eine Leuchtschnur, an der sie sich orientiert. Bei Adam Danowski ist es umgekehrt: Er handelt erst oder wird dazu gezwungen, und dann verwirren ihn seine Gefühle im Grunde so sehr, dass sie ihn noch mehr in Schwierigkeiten bringen. So, dass es beinahe weh tut.

Das war mir vorher nicht so klar, und deshalb freue ich mich: Nicht nur über das Kompliment, sondern auch über die Gelegenheit, nochmal anders über meine Figur nachzudenken. Ich fühle mich erkannt, und das ist schön. Danke, Bernhard!

Tiefe Einblicke

Hier ist das Video von meiner Live-Lesung gestern bei „der großen Facebook-Krimiwoche“, kenntnisreich und geduldig moderiert von Rebecca Humpert, bekannt durch ihren Buchblog „Becky’s World of Books“. Mir als Produkt-Ästhet gefällt natürlich besonders die offene Medion-Mini-Anlage, Hintergrund macht Bild gesund. Im Grunde bin ich wie diese Anlage: immer offen, immer bereit, irgendwas abzunudeln, aber manchmal auch leer. Aber genug über mich. Schließlich geht es hier ja um euch, denn Ihr seid diejenigen, die sich das jetzt anschauen können. Gestern abend war zu viel Vorberichterstattung Belgien-Italien, ist mir völlig klar. Jedenfalls gewähre ich hier tiefe Einblicke in meine Jacken-Ärmel, und ab 30:40 gibt es eine erste Leseprobe aus „Fallwind“ (VÖ 22. Juli).

Bürgerliche Dämmerung: Gekürzt aus „Fallwind“

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„Alles, was er sah, störte ihn; er versuchte, möglichst wenig wahrzunehmen.“ Peter Handke: „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“

Erster Teil: Bürgerliche Dämmerung – „Die Zeit direkt nach dem Sonnenuntergang, in der die Sonne maximal 6 Grad unterm Horizont steht. Während dieser Zeit ist es zum Beispiel noch möglich, im Freien zu lesen. Erste Fixsterne werden sichtbar.“

Vorsichtig setzte er sich in Bewegung, ankämpfend gegen ein kurzes Aufbranden von Übelkeit. Jetzt bewegte die Frau einen Fuß, oder sein Blick wurde unscharf. Und ihr Haar glänzte schwach im blauen Licht von der Konsole, als sie ihm langsam das Gesicht zuwandte. Weiterlesen

Was mit Schreibwaren

IMG_20160204_115651Das ist das „Fallwind“, das Buch, das am 22. Juli erscheinen wird. Ich wollte als Kind immer was mit Schreibwaren machen, am liebsten habe ich mich nach der Schule bei „Papierwaren und Briefmarken Herz“ am Teltower Damm aufgehalten, insofern bin ich glücklich. Wenn nur die Lücken nicht wären. Wie war noch mal der Mittelteil?