Freier Journalismus: Durch die Brille der anderen betrachtet

Ich: Die Augenärztin sagt, die Gleitsichtbrille geht noch. Nur die die Nahsicht hat sich verändert. Darum möchte ich fürs Büro jetzt einfach nur eine Lesebrille, bitte.
Optikerin: Gleitsicht ist aber im Prinzip natürlich besser fürs Büro. Sie blicken doch sicher mal auf und reden mit einem Kollegen, und wenn Sie dann nur eine Lesebrille …
Ich: Nein.
Optikerin: Oder Sie müssen mal eben ein paar Tische weiter.
Ich: Nein.
Optikerin: Es kann ja immer mal sein, dass jemand vorbeikommt.
Ich: Also, äh … nein.
Optikerin: Wenn Sie ganz schnell zum Chef müssen.
Ich: Nein.
Optikerin: Oder angenommen, Sie haben eine Besprechung.
Ich: Ganz ehrlich … nein.
Optikerin:
Ich: Sind das Kaubonbons?
Optikerin: Das, äh … ja, nehmen Sie, bitte, um Gottes Willen, nehmen Sie!

Heckenwesen

P1050617(…) Finzi hatte viel gesehen im Auftrag der Polizei der Freien und Hansestadt Hamburg, unter anderem einen Mordanschlag auf sich selbst in seinem eigenen Keller, aber selten war ihm etwas so unheimlich gewesen wie dieser Kinder-Chor, der den Stör-Abt besang, anrief oder beklagte. Für einen Atemzug oder zwei schien es ihm ganz klar und zugleich ganz falsch, dass die Kinder dieses schmutzige, Blut erbrechende Heckenwesen kannten und es den Stör-Abt nannten, den Vorsteher eines geheimnisvollen Klosters, der immer zur Unzeit kam. Und sie hatten ja recht: Er hatte sie wirklich gestört, mitten in Vincents Fahrradführerscheinprüfung. (…)

aus „Neunauge“, erscheint am 22. September 2017