Bürgerliche Dämmerung: Gekürzt aus „Fallwind“

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„Alles, was er sah, störte ihn; er versuchte, möglichst wenig wahrzunehmen.“ Peter Handke: „Die Angst des Tormanns beim Elfmeter“

Erster Teil: Bürgerliche Dämmerung – „Die Zeit direkt nach dem Sonnenuntergang, in der die Sonne maximal 6 Grad unterm Horizont steht. Während dieser Zeit ist es zum Beispiel noch möglich, im Freien zu lesen. Erste Fixsterne werden sichtbar.“

Vorsichtig setzte er sich in Bewegung, ankämpfend gegen ein kurzes Aufbranden von Übelkeit. Jetzt bewegte die Frau einen Fuß, oder sein Blick wurde unscharf. Und ihr Haar glänzte schwach im blauen Licht von der Konsole, als sie ihm langsam das Gesicht zuwandte. Weiterlesen

Was mit Schreibwaren

IMG_20160204_115651Das ist das „Fallwind“, das Buch, das am 22. Juli erscheinen wird. Ich wollte als Kind immer was mit Schreibwaren machen, am liebsten habe ich mich nach der Schule bei „Papierwaren und Briefmarken Herz“ am Teltower Damm aufgehalten, insofern bin ich glücklich. Wenn nur die Lücken nicht wären. Wie war noch mal der Mittelteil?

23./24. April: Krimi-Seminar beim Autorendock in Hamburg

Jeder Krimi beginnt mit einer Idee: von einem Tatort, einem Täter oder einer Situation. Manchmal hat man auch nur ein Bild vor Augen oder eine Atmosphäre im Kopf. Und dann? Welches Krimi-Genre ist das richtige, um der Idee ihren Rahmen zu geben? Wie erfindet man Haupt- und Nebenfiguren? Welche Schauplätze eignen sich? Welche Krimi-Konventionen muss man kennen, um sie zu erfüllen oder zu unterlaufen? Wie recherchiert man? Wie baut man Spannung auf? Wie konstruiert man einen Plot, und vor allem: Aus welcher Perspektive und mit welcher Stimme erzählt man seine Geschichte?

Das Autorendock in Hamburg hat mich eingeladen, diese Fragen in einem zweitägigen Seminar zu beantworten, am 23. und 24. April 2016 in Hamburg. Darauf freue ich mich. Alle Informationen zum Seminar, den Kosten und der Anmeldung finden Sie auf der Seite des Autorendocks.

„Jene Anteile unserer Erfahrung, die geduckt und still sind“: Elena Ferrante lesen

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Gary Larson, „Far Side“ vom 13.08.1986, Ausriss „Oscala Star-Banner“

Vor ungefähr drei Jahren bin ich durch einen Artikel von James Wood auf die italienische Schriftstellerin Elena Ferrante aufmerksam geworden. Sie sei die Autorin einiger „bemerkenswerter, klarer, ernsthaft ehrlicher“ Romane, er nennt ihre Bücher „auf intensive, brutale Weise persönlich“, „intim und schockierend ehrlich“, „furchtlos“, ihr Schreiben kenne „keine Grenzen“, sie sei bereit, „alles bis zum radikalsten Ende zu denken und bis zum radikalsten Ursprung zurückzuführen“. Und so weiter, es ist ein langer Text. Mit vielen Adjektiven, ungewöhnlich für einen zurückhaltenden Kritiker. Und was mich vor allem interessierte: Ferrante finde ihr Material und ihre Geschichten im Alleralltäglichsten, im Eheleben, im Leben mit Kindern, in den ganz normalen Handlungen und Enttäuschungen unserer banalen Existenz. Wood zitiert Ferrante selbst mit den Worten, sie schreibe gern Geschichten, die ganz klar und ehrlich erzählt seien, „und in denen die Tatsachen des gewöhnlichen Lebens außerordentlich packend zu lesen sind“.

Ich bin alarmiert, wenn beim Preisen einer Autorin ständig das Wort „ehrlich“ fällt, denn, ganz ehrlich, Ehrlichkeit ist sicher die am meisten missverstandene und überschätzte Eigenschaft, wenn es ums Schreiben geht. Oder sagen wir: Es ist Definitionssache, und „ehrlich“ schreiben ist meist ein Synonym für entweder einen durch Kunstlosigkeit leicht bedrückenden Naturalismus, oder für Denkfaulheit, weil: Hauptsache ehrlich.

Davon aber kann bei Elena Ferrante keine Rede sein. Sie ist, das vorweg, die wunderbarste Autorin, die ich mir vorstellen kann, ihre Bücher sind Träume, die in Erfüllung gegangen sind. Alpträume, auch. Weiterlesen

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Tunnelblicke: Auf „Blutapfel“-Recherche unter der Elbe

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Vor fast genau einem Jahr war ich im Elbtunnel (mit freundlicher Unterstützung der Tunnelbehörde), und dabei entstand dieses vermutlich schlechteste Selfie aller Zeiten. Unscharf, verwackelt, doofe Perspektive, und dann noch mit diesem skeptischen Gesichtsausdruck: Ich glaube, ich mache gerade eines der schlechtesten Selfies aller Zeiten. Aber trotzdem, wann steht man schon mal mitten auf dem […]

„Treibland“ ist für den Glauser nominiert

IMG_20150317_090042_1Mein Vater hat mir zum Geburtstag diesen Schuber mit allen Kriminalromanen von Friedrich Glauser geschenkt. Darüber habe ich mich sehr gefreut. Der Grund war, dass einige Tage zuvor mein Krimi „Treibland“ vom vorigen Jahr für den Friedrich-Glauser-Preis nominiert wurde, denn die Autorenvereinigung Syndikat einmal im Jahr verleiht. Ich habe das erstmal durch Zufall erfahren, in der Redaktion von „Brigitte Woman“, weil meine liebe Kollegin Julia Karnick die entsprechende Pressemitteilung in ihrem Maileingang hatte und mir das so en passant erzählt: „Du fährst nach Büsum!“ Da ist nämlich Ende April im Rahmen der Criminale die Preisverleihung. Ich wusste nicht, wovon sie redet. Ich freue mich, wie wir damals in West-Berlin niemals zu sagen pflegten, urst.

Leider habe ich in den fünf Wochen seit meinem Geburtstag keine Zeit gefunden, die Glauser-Romane aus dem Diogenes-Schuber zu lesen. Erstmal möchte ich die Bücher meiner Mitnominierten lesen, von denen ich bisher nur „Die andere Hälfte der Hoffnung“ von Mechtild Borrmann kenne (ich habe ihr Buch vor der Nominierung auf Krimi-Couch.de besprochen). Zumindest gegen ihr Buch rechne ich mir schonmal nicht so große Chancen aus, es ist wirklich sehr gut.

(Der andere Grund, warum ich den Glauserschuber noch nicht gelesen habe und womöglich auch die Nominierten vor dem 30. April nicht schaffen werde, ist der, dass ich in einer Mischung aus Größenwahn, Trotz und Selbstzerstörungslust angefangen habe, Proust zu lesen. Alter, ich bin im Schuberrausch. Als das vorige Jahr vorüber war, dachte ich so: Jetzt belohnst du dich mal dafür, dass du 2014 einigermaßen über die Runden geschaukelt hast, und kaufst dir was richtig Schönes. Dann schlug sofort dieses protestantische Ding durch, dass ich am Laufen habe. Was außerordentlich ungerecht ist, denn ich bin gar nicht protestantisch, ja, ich war es nie, ich bin nicht mal ausgetreten oder sowas, aber ich bin sowas von geprägt durch dieses protestantische Milieu, in dem ich nie aufgewachsen bin: unfassbar. Also dachte ich: Ja, Belohnung ist gut, aber was mit Bildung. Klassiker lesen usw. Die Proust-Kassette ist sehr schön und kostet knapp einen Hunderter, da ist irgendwie alles dabei: Ästhetik, Belohnung, Konsum, und dann aber eben auch: Arbeit, Bildung. Ganz offen: Ich hatte mir das leichter vorgestellt. Den ersten von sieben Bänden habe ich fast geschafft, aber … ich muss ein andermal darüber berichten, wie und warum die Mischung aus Begeisterung, Langeweile, Überdruss, Ehrfurcht und Trägheit mich daran hindert, den Proust zuzuklappen und ihn für meinen Lebensabend aufzusparen.)

„Blutapfel“ auf einen Blick

Blutapfel_Baum

Passend dazu, dass ich „Blutapfel“, die Fortsetzung von „Treibland“, vor gut zwei Wochen abgegeben habe, ist das Buch jetzt auch schon auf den einschlägigen Verkaufsseiten aufgetaucht. Das Buch erscheint aber erst am 30. Mai 2015. Bis dahin ist auch noch genug zu tun, glaube ich. Um die Wartezeit ein bisschen zu verkürzen, oben schon mal sozusagen als Vorabdruck das gesamte Buch auf einen Blick.