Entlastungs-Podcast Folge 6: In Schreibklausur

Zu den schönsten Dingen in diesem Jahr gehört, dass Alena Schröder und ich angefangen haben, einen Podcast zu machen, und dass sie ihn immer schneidet. Mittlerweile gibt es sechs Folgen davon, eine unfassbare Erfolgsgeschichte, die innerhalb nur weniger Monate ein weltweites Podcast-Fieber ausgelöst hat, wie es sich niemand zuvor hätte träumen lassen. Aber bitte vergesst nie: Wir waren die ersten! Oder um genauer zu sein: die letzten. Aber das macht nichts, denn wir machen es für uns und für Autor*innen, die vom Schreiben leben (materiell oder seelisch oder beides), und die trotzdem zwischendurch immer mal wieder denken, ach du Scheiße, was tue ich hier eigentlich und warum und wo sind die Süßigkeiten und die Fernbedienung.

Dies hier haben wir vor drei, vier Wochen aufgenommen, in Rerik an der Ostsee, denn wir wollten der Frage nachgehen: Warum ist es eigentlich so gut, mit anderen zum Schreiben wegzufahren? Alena waren vier Tage in einem Haus an der Ostsee mit Stephan Bartels und Maike Rasch und tauschen uns hier mit ihnen in vier Tageskapiteln aus über:

– soziale Kontrolle und Prokrastination,

– To-Do-Listen und Schreibwaren,

– In-den-Arsch-tret-Lizenzen im Co-Working-Space,

– verschiedene Arten von Druck und

– das Für und Wider des Method-Schreibing.

Am Ende gibt es einen vorgelesenen Anfang, dazwischen einige Erfolge und Niederlagen. Danke fürs Zuhören!

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Entlastungspodcast Folge 5: Wie es ist, wenn ein Buch erscheint

Was passiert zwischen Manuskriptabgabe und dem Erscheinen eines Buches? Wie fremd wird einem der eigene Text? Was ist Verkaufsranglistenporno und welche Art von Kritik tut am meisten weh? Und räumen eigentlich alle Autor*innen Buchläden um? Anlässlich des Erscheinens von „Unter Wasser“ sprechen Alena Schröder und ich über alles, was sich zwischen Manuskriptabgabe und Erscheinen eines Buches abspielt.

Der Horizont ist nur eine Linie

IMG_20170814_112439873Vor Jahren klingelte in den Mai-Ferien mein damals noch nicht uraltes Handy, und es war die Redaktion der Zeitschrift BYM. Wo die Kurzgeschichte zum Thema „Ein Tag am Meer“ denn bliebe, fürs Sommerheft. Ich wusste von nichts, aber das konnte allerhand Gründe haben. Also setzte ich mich hin und schrieb die Geschichte über das, was ich sah, denn ich war ja gerade am Meer, auf Mallorca. Die Geschichte erscheint hier zum ersten Mal, denn BYM wurde damals eingestellt, bevor die Kolleg*innen den Sommer mit einem Kurzgeschichten-Special feiern konnten. Schade.

 

Wenn die Eltern fragen, sagt ihr Vater: „Jelena lernt Erzieherin.“ Jelena hat sich abgewöhnt, dazu zu nicken. Im ersten Sommer hat sie angefügt: „Ich will unbedingt was mit Kinder machen.“ Im zweiten Sommer hat sie „Ja“ gesagt, im dritten genickt, jetzt schaut sie unverbindlich, aber im weitesten Sinne zuversichtlich, und fixiert dabei einen Punkt am Horizont, irgendwo hinter ihrem Vater.

Ihr Vater steht immer mit dem Rücken zum Meer, wenn er Jelena den Eltern vorstellt, die heute ihre Kinder bei ihr lassen werden. Vormittags steht die Sonne über dem Meer. Ihr Vater hat gern die Sonne im Rücken. Während er spricht, müssen die Eltern die Augen zusammenkneifen, jedenfalls die, die ihre Sonnenbrillen abgesetzt haben, um sich von ihren Kindern zu verabschieden. Die meisten behalten die Sonnenbrille auf.

Dann ist ihr Vater weg. Andere Menschen brauchen Minuten, um durch den feinen Sand den Weg zum Hotel zurückzulegen, ihr Vater verschwindet einfach. Jelena steht mit den Kindern und den Eltern da, und es entsteht jedes Mal ein unangenehmer Augenblick der Stille, während die Eltern Jelena betrachten. Sie warten darauf, dass sie anfängt, die Kinder zu animieren, damit die Eltern gehen können. Jelena malt sich aus, jetzt eine eigene kleine Rede zu halten.

Das mit der Erzieherin hat mein Vater sich ausgedacht. Alles, was ich mit Kindern zu tun habe, ist, dass ich jeden Sommer sechs Wochen lang den Tag über auf Kinder aufpasse, damit ihr ungestört die Outlet-Stores im Landesinneren abklappern könnt. Wobei: „aufpassen“ ist ein dehnbarer Begriff. Weiterlesen

Entlastungs-Podcast Folge 3: Sex-Szenen

Diesmal sprechen Alena Schröder und ich darüber, ob man Sex-Szenen überhaupt schreiben soll, und wenn ja, wie. Und warum wir sie so selten schreiben. Unter anderem kommen vor Margarete Stokowski, Thomas Pynchon, Toni Morrison und Passagen aus noch unveröffentlichten Büchern von uns.

Entlastungs-Podcast Folge 2: Figuren und Klischees

Vorige Woche war ich sechs Tage in Lexow, Mecklenburg, um im dortigen Gutshaus mit meinen Kolleg*innen Isabel Bogdan, Simone Buchholz, Romy Fölck, Markus Friederici, Anja Goerz, Tatjana Kruse, Angélique Mundt und Frank Spilker nebeneinander und miteinander zu schreiben und übers Schreiben zu reden, aber auch zu kochen und zu feiern. Und zu essen und zu trinken. Und an den See zu fahren. Besonders hat mich dann gefreut, dass Alena Schröder uns am Donnerstag und Freitag besucht hat, so dass sie einen guten Teil des Publikums bei unserer Neuner-Lesung gestellt hat, und wir beide im hintersten Zimmer die 2. Folge unseres Autor*innen-Podcasts „Sexy und bodenständig“ aufnehmen konnten. Es geht um Figuren und vor allem Klischees, darum, weshalb so sie unvermeidlich sind oder scheinen, und mit welchen Tricks wir die Klischees umgehen oder eben gerade nicht, und ob ich bei Adam Danowski eigentlich immer nur über mich selber schreibe.