Muriel Spark Joy 4: „The Ballad of Peckham Rye“

Zurzeit lese ich alle 22 Romane von Muriel Spark (1918-2006) in chronologischer Reihenfolge und versuche, ihrer Faszination auf den Grund zu gehen. Die abgebildete und von mir ggf. zitierte Ausgabe ist die Polygon-Gesamtausgabe, Edinburgh 2017.

Titel: The Ballad of Peckham Rye (1960, dt.: Die Ballade von Peckham Rye, Ü: Elisabeth Schnack, Diogenes 1961)

Was passiert: Der charismatische junge Nichtsnutz Dougal Douglas wird von einer mittelständischen Textilfirma im Londoner Vorort Peckham Rye als eine Art Personalberater eingestellt, um die Arbeiter*innen zu motivieren und das Betriebsklima und die Produktivität zu verbessern. Stattdessen ermutigt er sie, weniger zu arbeiten, mischt sich in das Privatleben des Führungspersonals und des ganzen Ortes ein, und verursacht Chaos, Verwirrung und Verunsicherung, wo er auftaucht.

Was ist gut: Wie immer die außerordentlich elegante Konstruktion, die aber nur dazu dient, Chaos, Verwirrung und Verunsicherung zu stiften. Spark beginnt mit einer packenden Konfrontationsszene, die eine am Traualtar gescheiterte Eheschließung betrifft, welche dann ins Sagenhafte überhöht und schließlich in ihre Ursachen zerlegt wird, um sich zwischendurch dann aber in den Besonderheiten der englischen Textilbranche und des englischen Klassensystems zu verlieren oder eben zu finden. Die Dialoge knistern wie statisch aufgeladene Zellophanfolie, die Figuren sind knusprig und frisch, die Satire breit und unprätentiös. Außerdem gibt es eine Szene, in der Spark nach meinem Dafürhalten (für 1959/60 im britischen Unterhaltungsroman) ungewöhnlich scharfsinnig Rassismus und kulturelle Aneignung behandelt.

Was ist nicht so gut: Vorige Woche war ich in Edinburgh, und während die Kinder in der Waverley Mall waren, waren meine Frau und ich im Writers‘ Museum und haben die von dort ausgehende Book Lovers‘ Tour gemacht (jeden Sonntag um 11:30 Uhr vom Eingang des Museums an der Royal Mile, etwa anderthalb bis zwei Stunden, 15 Pfund). Ich hatte den Autor und Guide Allan Foster gleich eingangs gefragt, ob wir denn auch zu Muriel-Spark-Stätten pilgern würden, und er verneinte, sagte aber, er würde mir später zeigen, wie ich zur Schule käme, die Spark besucht hätte, und die die Anregung für „The Prime of Miss Jean Brodie“ war, „a marvelous book“. Da das Writers‘ Museum in einem Hinterhof ist, wird es von der Straße aus mit ein paar Fotos beworben, darunter auch das berühmte von Spark, wie sie auf dem Fußboden ein Buch liest, aus der gleichen Serie wie das oben. Nur: auch im Museum geht es kein einziges Mal um Spark. Das ist mir eher egal, aber es zeigt: Spark ist zum Beispiel in ihrer Heimatstadt eher theoretisch als praktisch präsent, ich glaube, ihr Nachruhm beruht eher darauf, dass sie als bedeutend anerkannt ist und dass Konsens besteht, ihre bekanntesten Bücher seien „marvelous“. Aber nachhaltig gelesen wird sie vermutlich nicht, und „The Ballad of Peckham Rye“ ist ein gutes Beispiel dafür, warum das so sein könnte: Spark lesen heißt, sich der Sinnlosigkeit des Lesens und der Sinnlosigkeit des Geschichtenerzählens an sich auszusetzen oder, wenn man es konstruktiver möchte, sich damit auseinanderzusetzen. Das ist schön für Leser*innen wie mich, die zwischendurch gern in den Abgrund des erzählerischen Nihilismus‘ schauen, weil ihnen all das emotional Sorgfältige, das scheinbar Authentische, das Wirkungsvolle auf die Nerven geht. Wenn man Sparks Büchern etwas vorwerfen möchte, dann, dass sie darauf angelegt sind, große Wirkungen verpuffen zu lassen und kleine nur im Augenwinkel entstehen zu lassen. Sie baut riesige Feuerwerke vor der Leserin auf und kommt dann mit einem Wasserschlauch, um die Zündschnüre zu löschen, während sie der Leserin einen Knallfrosch in die Kapuze wirft. Das funktioniert umso besser, je universeller die Themen sind (Alter und Vergänglichkeit bei „Memento Mori“, das vergebliche Leben in „The Prime of Miss Jean Brodie). Aber ich kann verstehen, wenn man das nicht mag.

Was lernen wir über Muriel Spark: Ihre Abneigung gegen kapitalistisch strukturierte Tagesabläufe und insbesondere gegen die Tätigkeiten des mittleren bis höheren Managements ist in diesem Buch auf jeder Seite zu spüren. Sie beschreibt möblierte Zimmer aufs Liebevollste, ist als Autorin an Kneipentresen und in Kirchen zu Hause, aber nicht in Büros. Sie mag Frauenfiguren, die niemanden mögen.

M*S*J: 9/10

Werbeanzeigen

Canberra School of Music

IMG_20190107_154745855_HDR
Abbildung unähnlich: Die Spielbank in Trier, Januar 2019; Mercure Hotel nach Logo-Wechsel

Mein erster Sehnsuchtsort war die Canberra School of Music. Dies lag allein daran, dass an der Pinnwand unseres Musikraums ein Stundenplan dieser Schule hing. Ich war in der 7. und 8. Klasse, das Jahr war 1982. Der Musikunterricht fand bei einem alten Lehrer statt, Herrn A., der, wenn wir den Musikraum betraten, am Flügel saß und „Blue Eyes“ von Elton John spielte. Mit wiegendem Oberkörper und strengem Blick. „Der Russe“, sagte er, wenn er von den letzten Kriegstagen erzählte. „Der Russe“ habe auf dem gestohlenen Fahrrad gesessen „wie der Affe auf dem Schleifstein“, ein Messer zwischen den Zähnen. Herr A. hatte nach eigenen Angaben im Alter von vierzehn Jahren eine Brücke über den Teltow-Kanal allein mit zwei Panzerfäusten verteidigt. Diese Geschichte erzählte er öfter, er untermalte und verdeutlichte sie mit der immer ähnlichen Skizze an der Tafel: der Teltow-Kanal, die Brücke, er mit den beiden Panzerfäusten, der Russe auf der anderen Seite. Der Russe entwaffnete ihn und kam über die Brücke nach Zehlendorf. Uns war nicht klar, ob er dies dem Russen vorwarf, seiner Elterngeneration, die den Krieg gewollt hatten, oder uns, die wir einfach nur da saßen, glotzten oder kicherten und immerhin froh waren, dass wir nicht Partituren mitlesen mussten bei Mozart-Opern, oder Dur- in Moll-Akkorde umwandeln. Weiterlesen

Muriel Spark Joy 3: „Memento Mori“

Dieses Jahr lese ich alle 22 Romane von Muriel Spark (1918-2006) in chronologischer Reihenfolge und versuche, ihrer Faszination schematisch auf den Grund zu gehen. Die abgebildete und von mir ggf. zitierte Ausgabe ist die Polygon-Gesamtausgabe, Edinburgh 2017.

Titel: Memento Mori (1959, dt.: Memento Mori, Ü: Peter Naujack, 1960, Ü: Andrea Ott, 2018, beide Diogenes)

Was passiert: Einige ältere Herrschaften (und wie gut das Wort hier einmal passt) aus der Londoner Oberschicht und der verkrachten oberen Mittelklasse bekommen anonyme Anrufe, in denen sie daran erinnert werden, dass sie sterben müssen. Einige geraten darüber aus dem Häuschen und behelligen die immer unwilligeren Beamten von Scotland Yard, andere, wie die 85-jährige halbvergessene Star-Autorin Charmaine Colston, lassen die Anrufe mit amüsiertem Stoizismus über sich ergehen. Bis auf eine dieser mitteljungen, pragmatischen aber seltsam distanzierten, widerwillig verwickelten Muriel-Spark-Frauen, sind alle Protagonist*innen und Antagonist*innen in diesem Buch über siebzig, meist deutlich älter. Was sich anlässt wie ein leicht humoristisches Tüddel-Kabinett à la P.G. Wodehouse, wird bald zu einem durchaus spannenden Ringen um das Seelenheil der einen oder anderen Figur, die man dann doch ins Herz geschlossen hat, womöglich gegen den Willen der Autorin.

Was ist gut: Sparks Blick auf das Altwerden von Körpern und Geist ist unerschrocken, aber ohne Effekthascherei. Sie erwähnt das Entscheidende eher beiläufig, als dass sie gezielt berichtet und beschreibt. Die Interaktionen der Figuren sind oft leicht theatralisch und dadurch genrehaft, man wähnt sich über weite Strecken in einem gemütlichen Boulevard-Stück über alte Zausel, und merkt dann eher aus dem Augenwinkel, wie sich rund um einen die Abgründe auftun. Einen tatsächlichen Mord beschreibt sie nüchtern, als fast unausweichlich und sinnlos, er hat nichts mit den von ihr hergestellten Atmosphäre von Verunsicherung und Trittverlust zu tun. Traditionell schauerliche Umgebungen wie etwa die geriatrische Pflegestation eines viktorianischen Krankenhauses hingegen beschreibt sie als Ort der Solidarität und des liebevollen Miteinanders. Es gibt eine fantastische Schurkin,  und obwohl Spark am eigentlichen Rätsel der Handlung bald das Interesse zu verlieren scheint, auch Suspense bis zum Schluss.

Was ist nicht so gut: Ich bin mir nicht sicher, ob die Art und Weise, wie Spark sich in den unteren Schubladen der Plot-Devices bedient, karikierend, desinteressiert oder bequem ist. Jedenfalls gibt es einiges an veruntreuten Vermögen, verschwiegenen Affären, schambesetzen sexuellen Gefälligkeiten, geheimen Notizen und versteckten Briefen, und entweder, das ist besonders wunderbar, weil einem hier die Autorin mit etwas gelangweiltem Blick das Inventar des englischen Unterhaltungsromans vor die Füße kippt, oder es wirkt etwas hingeschludert. Habe mich für erstes entschieden.

Was lernen wir über Muriel Spark: Nichts. Anfangs wollte ich denken, dass sie sich in der halbbeteiligten Figur der jungen Komplott-Nichte ebenso in den Roman geschrieben hat wie in der scherzhaft größenwahnsinnig in die Zukunft gezeichneten Figur der großen alten Romanschriftstellerin Charmaine. Aber in Wahrheit denke ich, dass dies das fast ideale Beispiel eines Buches ist, in dem die Autorin nur noch in der Glattheit des Stils, den Handlungslücken und den fehlenden Linien der Charakterskizzen zu sehen ist: Anwesenheit durch Abwesenheit.

M*S*J: 9/10

Tubensahne: Der Schmerz zwischen Eltern und Kindern

IMG_20190604_183730467_HDR

Fast jede Woche, manchmal jeden Tag, denke ich an einen Vorfall im Sommer 1984. Nie zuvor hatte ich, und nie danach habe ich meinen Vater so wütend gesehen. Über viele Jahre war mir der Vorfall völlig unverständlich, er war mir ein Beispiel dafür, wie merkwürdig Erwachsene und insbesondere meine Eltern sind. Wie ungerecht, natürlich auch. Es ging um Tubensahne. Weiterlesen

Feedback

Diesen Kommentar habe ich beim Versuch, ihn hierher zu verschieben, aus Versehen gelöscht. Das bedauere ich. Zum Glück gibt es Screenshots. Er war anonym, der Name ist also nicht abgeschnitten.

Bildschirmfoto 2019-05-30 um 12.28.53

Muriel Spark Joy 2: „Robinson“

Dieses Jahr lese ich alle 22 Romane von Muriel Spark (1918-2006) in chronologischer Reihenfolge und versuche, ihrer Faszination schematisch auf den Grund zu gehen. Die abgebildete und von mir ggf. zitierte Ausgabe ist die Polygon-Gesamtausgabe, Edinburgh 2017.

Titel: Robinson (1958, dt.: Robinson, Ü: Elizabeth Gilbert, Diogenes 1962)

Was passiert: Was passiert?! Das passiert: ein Flugzeugabsturz auf einer einsamen Insel über tausend Seemeilen entfernt von den Azoren, bei dem die meisten Insassen ums Leben kommen. Außer der Erzählerin, January (einer Witwe mit einem halbwüchsigen Sohn), Jimmie (einem holländischen Junggesellen, der auf vage Weise mit dem Besitzer der Insel verwandt ist), und Tom Wells, (einem grobschlächtiger und vertrauensunwürdiger Esoterik-Schwindler). Einsame Insel? Nicht ganz. Dort leben Robinson, ein gebildeter Eigenbrötler Anfang 50, dem die Insel gehört, und Miguel, ein kleiner Junge, um den er sich kümmert. Zwischen den Überlebenden und ihrem Gastgeber Robinson kommt es zu Spannungen, in deren Verlauf Robinson verschwindet und alle übrigen davon ausgehen müssen, einer von ihnen habe ihn ermordet.

Was ist gut: January, Mitte, Ende dreißig, ist eine wunderbare Ich-Erzählerin: sorgfältig, reflektiert, selbstkritisch,  um Kontrolle und Gelassenheit bemüht und dabei durch und durch unzuverlässig. Was von der Autorin wunderbar inszeniert wird, indem sie die Ich-Erzählerin ein Tagebuch führen lässt, das diese immer wieder heranzieht, um sich und uns davon zu überzeugen, dass sie im Vollbesitz ihrer Urteilskraft ist. Vorne im Buch ist eine gezeichnete Karte der Insel, und überhaupt hat die Insel alles, was eine solche braucht, um einerseits vertraut exotisch, merkbar fabriziert und dennoch real genug zu sein, um sich nicht einfach nur in einem Text, sondern an einem Ort zu wähnen: einsame Strände, Höhlen, einen aktiven Vulkan, dessen Lava seufzt, wenn etwas oder jemand hineinfällt, Mangos, Granatäpfel und in Robinsons Bibliothek Bücher hinter Glas. Die Dialoge und Konflikte der drei Überlebenden haben den seltsamen, staubtrockenen Humor, den Leser*’innen heute, wenn man ihn als Autor würde nachmachen wollen, für einen Betriebsunfall halten würden, weil er einerseits so dick aufgetragen und andererseits kaum zu bemerken ist, manchmal in einer Passage: der Holländer Jimmie spricht Englisch wie ein weiser Schelm, seine catch phrase ist ein wunderbar existenzialistisch gekauderwelschtes „Is so“; die Charakterstudien, die January in Gedanken an und von ihrer Verwandtschaft zu Hause in London betreibt, sind liebevoll karikierend, aber auch merkwürdig mechanisch.
Dennoch, vor allem und noch mal die Stimme und die dadurch entstehende Person der Hauptfigur: eine in wenigen Sätzen volllebendige Frau, der die sie umgebenden Männer nichts entgegenzusetzen haben als formelhaftes Verhalten. Eine Ich-Erzählerin, die sich selbst auf eine Art und Weise psychologisiert, die einem als Leser*in immer wieder klar macht, dass wir nichts über sie wissen, aber gerne würden (siehe den unten abgebildeten letzten Absatz, indem sie uns noch einmal an der Nase herumführt, und zugleich ein perfektes Psychogramm des Erwachsenseins in zwei Wörtern anbietet).
Sehr gut außerdem, wie January der Katze Bluebell Ping-Pong beibringt.  Weiterlesen

Muriel Spark Joy 1: „The Comforters“

Zum Geburtstag habe ich mir von meiner Familie und meinen Freund*innen die Gesamtausgabe der Romane von Muriel Spark gewünscht. Spark war eine schottische Autorin, die voriges Jahr 100 Jahre alt geworden wäre, also bin ich in etwa halb so alt wie sie. Sie galt eine Weile als eine der bedeutenden Autor*innen des 20. Jahrhunderts, aber in Deutschland ist sie, obwohl Diogenes sich immer voller Hingabe um sie gekümmert und ihr schöne Ausgaben beschert hat, etwas in Vergessenheit geraten. Im Laufe der nächsten Monate möchte ich erklären, was ich so wunderbar an ihr finde, und warum sie mich so dermaßen begeistert seit zwei, drei Jahren. Und zwar nicht im Rahmen eines oder zweier großer, emotionaler und tief in den Text einsteigender Essays, wie ich es hier vor ein paar Jahren mit Elena Ferrante und ihrem Neapolitischen Quartett gemacht habe, bevor es endlich in Deutschland erschien. Sondern eher in Form ganz kurzer, schematischer Bewertungen (in der Form hat mich der Blog von Frank Böhmert dazu inspiriert, den ich aber leide gerade nicht mehr finde). Ich lese die 22 Romane, von denen ich bisher nur eine handvoll kenne, in chronologischer Reihenfolge, und gebe danach hier jeweils einen Mini-Überblick.

Titel: The Comforters (dt.: Die Tröster, Ü: Peter Naujack, Diogenes 1963)
Erscheinungsjahr: 1957

Was passiert: Eine junge Frau glaubt, in einem Roman zu leben, den sie gerade schreibt oder schreiben müsste. Die Großmutter ihres Ex-Verlobten leitet einen Schmugglerring, verschiedene tatsächliche oder Möchtegern-Mitglieder der englischen Oberschicht haben wirre sexuelle oder platonische Beziehungen, die spirituelle Erweckung der Hauptfigur führt zur Konfrontation mit einer toxischen Haushälterin.

Was ist gut: Die Figuren nehmen, was ihnen widerfährt und wie sie sind, mit einem merkwürdigen Stoizismus. Man weiß nicht (und sie wissen es wohl selbst nicht), ob ihr Hadern mit Glaubens-, Lebens- und Liebesfragen Zeitvertreib oder existenziell ist, und was wäre überhaupt der Unterschied? In der Mitte der Handlung verschwinden zwei Hauptfiguren wie durch eine Falltür, es gibt merkwürdige Wirrungen zwischen namensähnlichen Personen, die soziale Komödie liest sich wie P.G. Wodehouse auf Kokain. Schmuggelware wird in Gegenständen versteckt, es gibt eine Autoverfolgungsjagd, niemand im oder am Buch ist an der Metapher „Krankheit als Metapher“ interessiert, obwohl die Hauptfigur „mad“ oder „neurotic“ sein könnte.

Was ist nicht so gut: Wenn man noch nichts von Spark gelesen hat, könnte man denken: Was soll dieser wirre Kram. Sicher nicht ideal zum Einstieg, es sei denn, man hat eine Schwäche für die englischen Kriminalromane der Dreißiger Jahre oder für Alfred Hitchcocks Filme aus seiner englischen Zeit („Die 39 Stufen“ wäre hier eine Schnittmenge). Sparks Text ist mit einer seltsam nostalgischen Patina überzogen, die sich 1957 wie heute ein Achtziger-Jahre-Roman gelesen haben muss, und die ihn heute verführerisch ort- und zeitlos macht.

Was lernen wir über Muriel Spark: Das erste Buch einer 39-Jährigen, die eine zeitlang eine der meistverkauften Autor*innen Europas war, wirkt herrlich zusammengehauen und finster entschlossen zugleich: eine Autorin, der einerseits vieles egal ist, und die andererseits stur genug ist, um viele seltsame Entscheidungen zu treffen und durchzuhalten. Nach „The Comforters“ stellt man sie sich recht mutig und autark vor. Eine Autorin, von deren Erzählstimme man sich trösten lassen kann.

M*S*J: 8/10

D0Zfi45WkAAUuYA

So betritt man die Bühne der Weltliteratur: „Grandmother, I adore white bread and I have no fads.“ Der Anfang von The Comforters, 1957